Energetische Sanierung

Energetische Sanierung

Facharbeiter dämmt ein Dach

Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit verursacht der Gebäudebestand jährlich rund 120 Millionen Tonnen CO2-Äquvalente. Diese entstehen durch die Nutzung von Strom, insbesondere aber durch die Bereitstellung von Wärme und Warmwasser.

Schlechte Dämmungen und veraltete Heizanlagen sind die Haupttreiber hoher Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen. Bis 2030 sollen letztere auf 67 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (CO2eq) reduziert werden (Quelle: Webseite des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung).

Dies zeigt, wie wichtig energetische Sanierungen von Gebäuden für den Klimaschutz sind. Die aktuelle jährliche Sanierungsrate von circa 1% pro Jahr ist allerdings viel zu gering, um die Klimaziele zu erreichen. Als Gebäudebesitzer haben Sie die Möglichkeit, sowohl mit Komplettsanierungen als auch mit kleinen Einzelmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die zwei größten Stellschrauben, um den Energiebedarf und damit auch die Kosten zu senken, sind die Verminderung des Wärmebedarfs und die Optimierung des Heizsystems.

Bei einer energetischen Sanierung und auch beim Neubau sind grundsätzlich die Anforderungen und Pflichten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und des Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) zu beachten.

Wärmedämmung – noch ganz dicht?

Gebäude sind niemals ganz dicht. Es gibt immer Wärmeverluste. Die Verluste durch Transmission (Übertragung der Wärme durch Bauteile innen nach außen) und Undichtheiten lassen sich jedoch durch eine verbesserte Wärmedämmung an Wänden, Kellern und Dächern deutlich verringern. Dabei wird nicht nur der Wärmebedarf gesenkt, sondern auch der Wohnkomfort durch geringere Luftzirkulation und bessere Luftfeuchte gesteigert. Zusätzlich wird auch der sommerliche Wärmeschutz erhöht.

Dämmen Sie Ihre Fassade am besten dann, wenn Sie diese sowieso sanieren wollten. Das spart Kosten und alles kann in einem Rutsch durchgeführt werden. Je älter das Haus, desto sinnvoller ist die nachträgliche Wärmedämmung. Zudem lohnen sich viele andere Maßnahmen, wie ein Heizungstausch, meistens erst mit einer guten Wärmedämmung. Es muss nicht immer die ganze Fassade sein, auch die Dämmung von Dach oder Kellerwänden kann den Energiebedarf deutlich senken.

Übrigens: Auch bei Denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Dämmung, meistens Innenwanddämmung, möglich.  

Auch an Fenstern können deutliche Wärmeverluste auftreten. Dabei spielt einerseits die Verglasung eine Rolle - die meisten Verluste treten aber am Fensterrahmen auf. Achten Sie deshalb bei der Wahl der Fenster auf den U-Wert des Gesamtfensters. Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme durch das Bauteil hindurchgeht. Es gilt: Je geringer der U-Wert, desto besser.


Lüftung

Ein hygienischer Mindestluftwechsel in Gebäuden ist wichtig, um „frische“ Luft zu erhalten und Schimmel vorzubeugen. Dabei will „richtiges Lüften“ gelernt sein. Die wichtigsten Grundregeln sind dabei:

  • Stoßlüften statt Kippstellung, da so der Luftaustausch schneller stattfindet und der Raum nicht vollständig auskühlt;
  • Querlüften;
  • 3 bis 4 Mal täglich lüften, je nach Jahreszeit unterschiedlich lange (siehe Grafik "Ungefähre Lüftungsdauer nach Monaten" (592 KB));
  • Während des Lüftens die Heizung ausschalten;
  • Bad und Küche: Am besten direkt nach dem Duschen und auch schon während des Kochens lüften, um die Feuchtigkeit aus den Räumen zu bekommen. Zudem, wenn möglich, die Türen geschlossen halten, damit sich die Feuchtigkeit nicht in alle anderen Räume verteilt.

Wer berufsbedingt tagsüber meistens nicht zu Hause ist, bei dem reicht im Winter auch zweimaliges Lüften - idealerweise direkt nach dem Aufstehen und vor dem zu Bett gehen.


Heizsystem

In Deutschland dominieren immer noch Öl- und Gasheizungen, teilweise schon älter als 30 Jahre. Ein Tausch oder eine Optimierung von alten Heizungen rechnet sich fast immer, je nach Art und Umfang der Heizungssanierung, unterschiedlich schnell.

Kleine Maßnahmen können der Einsatz elektrischer Thermostatventile, der Tausch alter Umwälzpumpen gegen Hocheffizienzpumpen oder die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs sein. Größere Maßnahmen sind der Tausch eines alten Kessels gegen einen neuen Brennwertkessel.

Noch besser und vor allem klimafreundlicher ist die Umrüstung auf Wärmepumpen, Nah- oder Fernwärme, Holzpelletkessel oder auch die Warmwasseraufbereitung durch Solarthermieanlagen. Bei der Wahl des passenden Wärmeerzeugers sind entscheidende Faktoren die Vollkosten (Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten), die CO2-Emissionen und die benötigte Vorlauftemperatur. Dabei sollten Sie bei der Kostenrechnung immer die Gesamtkosten, also auch künftig steigende Energie-und CO2-Preise, beachten.


Förderprogramme

Das wichtigste Förderprogramm zur energetischen Sanierung ist die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG):

Auch bei den Kosten für einen Energieberater können Sie sich über das Programm „Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude“ (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)) einen Zuschuss sichern.

Immer wieder zeitlich begrenzt bietet die L-Bank (Webseite) Förderungen im Bereich energetische Sanierung an: Bei Suche nach passenden Fördermitteln gibt die Förderdatenbank (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) einen guten ersten Überblick.

Alternativ können energetische Sanierungsmaßnahmen, wie der Heizungstausch, der Einbau neuer Fenster, das Dämmen von Dächern oder Außenwänden, seit Januar 2020 auch steuerlich begünstigt werden. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn Sie bereits mit einer Maßnahme begonnen haben.

Wichtig: Die Steuerbegünstigung kann nur alternativ zu Förderprogrammen genutzt werden. Sie ist nicht mit diesen kombinierbar! Und sie gilt nur für selbstgenutztes Wohneigentum.


Vollsanierung oder Einzelmaßahme?

Ob Komplettsanierung oder Einzelmaßnahme, es gibt für jedes Budget die passenden Maßnahmen. Mit intensiven Sanierungsmaßnahmen lassen sich im Altbau bis zu 80% Wärmeenergie einsparen. Aber auch durch kleine Einzelmaßnahmen kann man schon viel für Klima und Geldbeutel tun.

Lassen Sie sich beraten, welche Maßnahmen sich bei Ihnen und bei Ihrem Budget lohnen. Mit einem Sanierungsfahrplan können Sie beispielsweise einen langfristigen Plan aufstellen und Einzelmaßnahmen sinnvoll aufeinander abgestimmt nach und nach, wann es Ihnen passt, angehen.


Beratung und Information

Eine professionelle Einschätzung und Beratung ist bei allen Maßnahmen empfehlenswert. EnergieberaterInnen und Fachbetriebe helfen bei Fragen wie: Was sollte als erstes angegangen werden? Was ist energetisch und finanziell sinnvoll? Welche Fördermittel und welche gesetzlichen Anforderungen gibt es?

Sie brauchen eine Erstinformation oder einen allgemeinen Überblick? Nutzen Sie die kostenlosen Sprechstunden des Arbeitskreises Energie der Lokalen Agenda 21 sporadisch freitags im Haus der Volkshochschule Gerlingen.

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (Webseite) informiert über Energiesparmöglichkeiten für Wohngebäude und bietet eine Checkliste an.

Weitere Leitfäden und Informationen finden Sie auch auf der Webseite der Zukunft Altbau (KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH) oder der Webseite der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena).


Kontakt

Frau Alexandra Graf

Klimaschutzmanagerin

Rathausplatz 1
70839 Gerlingen
Telefon (0 71 56) 2 05-83 01
Raum 301