Elisabeth Dorothea Schiller

Elisabeth Dorothea Schiller

Elisabeth Schiller
Elisabeth Dorothea Schiller

Länger als anderswo, mehr als zwei Jahrzehnte, hat die Familie Schiller von 1775 bis 1796 bei Schloss Solitude gelebt, das bis 1942 zur Gerlinger Gemarkung gehörte. In zahlreichen Veranstaltungen wurde im Schillerjahr 2005 auf die Verbindung der Familie zu Gerlingen, die „Heimat der Familie Schiller 1775 bis 1796“ hingewiesen. Ehrenbürger Otto Schöpfer hat vor vielen Jahren im Gerlinger Anzeiger Aufsätze über die Familienangehörigen verfasst. Nachfolgend veröffentlicht das Stadtarchiv Gerlingen diese überarbeiteten Beiträge. 

Johann Caspar Schiller, der sich nach abenteuerlichen Kriegsfahrten in Marbach am Neckar als Wundarzt sesshaft gemacht hatte, genoss in kurzer Zeit ein solches Ansehen, dass er es wagen durfte, um die Hand der 17-jährigen Elisabeth Dorothea Kodweiß anzuhalten. Diese war die Tochter des damals noch wohlhabenden Bäckermeisters und Wirts zum „Goldenen Löwen“, Georg Friedrich Kodweiß und dessen Ehefrau Anna Maria Münz, Bauerntochter vom Röhracher Hof bei Rietenau (Backnang).

Hochzeit mit Johann Caspar 1749

Die Heirat fand am 22. Juli 1749 statt. Durch Zufall ist das „Beibringens-Inventar“ der jungen Frau erhalten geblieben. Ihr Kleiderstaat bestand aus einem "schwarztafften Kittelein, einem seidenzeugenen Rocke, einem feinen Flortüchle, einer schwarzdamastenen Haube mit Goldspitzen, samtledernen Schuhen, einem Perlen- und Granaten-Nüster und einem goldenen Ringe". Sie brachte ihrem Gatten auch ein Stück Acker- und Gartenland zu, das auf 188 Gulden geschätzt wurde. Der Hausrat bestand aus einer „gehimmelten“ Bettlade, einem doppelten Kleiderkasten, einem Tresor, einem guten Tisch von hartem Holz, zwei dergleichen Stuhl, einer Hangwiege und zwei ungelehnten Sesseln.

Dorothea, 1732 geboren, von großer und schlanker Gestalt, war sanft und heiter veranlagt. Ihre ganze Lebenszeit war von der Sorge für Mann, Kinder und Hauswesen erfüllt. Geduldig schickte sie sich in das unstete Leben ihres Gatten mit kurzen Stationen (Würzburg, Cannstatt, Ludwigsburg, Stuttgart, Schwäbisch Gmünd, Lorch und wieder Ludwigsburg). Erst hier konnten sich die Eheleute einer vorübergehenden Häuslichkeit freuen.

Im Dezember 1775 zog die Familie auf die Solitude. Während ihres 21-jährigen Aufenthalts im Schlossbereich hatte sie drei verschiedene Wohnungen. Eine war die Revierförsterwohnung, ein langes, mansardenartiges Gebäude, in dem vorher die Zöglinge der Militär-Akademie untergebracht waren. (Anmerkung: An dieser Stelle steht heute die Dienstvilla des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Die letzten beiden Jahre ihres Aufenthalts auf der Solitude bewohnte die Familie das heute noch stehende Kavaliershaus Nr. 16.)

Trotz der vielen Wechsel konnte die gütige, schlicht fromme Frau ihren Kindern die Erinnerung an ein trauliches „zu Hause“, an eine Kindheit mit auf den Lebensweg geben, bei der die Liebe der Mutter wie warmer Sonnenschein geruht hatte. Eine köstliche Erinnerung, die, wo sie fehlt, auf das ganze spätere Dasein einen unauslöschlichen Schatten wirft. Diesem Lebensbund entstammten die vier Kinder Christophine, Friedrich, Luise und Christiane (Nanette).


Enge Bindung zu Sohn Friedrich

Friedrich Schiller, der weltberühmte Sohn, hat Zeit seines Lebens stets mit tiefster Ehrerbietung und Liebe seiner Mutter gedacht. Diese Liebe ist von Frau Dorothea in rührendster Weise erwidert worden. Voll mütterlicher Sorge nahm sie an den Erfolgen des Sohnes teil. Seine Bücher las sie mit heißer Anteilnahme immer und immer wieder. Obwohl sie eine einfache Natur war, besaß sie eine außergewöhnliche Auffassungsgabe.

Der alternden Mutter war es eine besondere Freude, als ihr Sohn nach langer Wanderzeit im Jahre 1790 sich mit Charlotte von Lengefeld verheiratete. Mit mütterlichem Stolz empfing sie die junge, vornehme Schwiegertochter, und als während des längeren Besuchs drei Jahre später der erste Enkel geboren wurde, kannte ihr Glück keine Grenzen. Niemals aber verließ sie ihre sanfte Bescheidenheit, nicht einmal gegenüber den großen Erfolgen, die der Sohn in späteren Jahren so überreich fand.

An ihrem ältesten Enkel hing die Großmutter mit ganz besonderer Zärtlichkeit. Sie schickt für ihn an Lotte „etliche Sacktüchlein“ und für seinen Bruder, den kleinen Ernst, ein „Schlafgewand“. Sie gibt Ratschläge, insbesondere zur Abhärtung der Kinder: „Man soll sie öfters mit recht kaltem Wasser waschen, insbesondere den Kopf, und zwar gleich von der Geburt an gewöhnen, ihnen recht viele Bewegung gestatten, in der schlimmsten Witterung sie ins Freie gehen lassen, so werden sie in ihrem ganzen Leben dauerhaft bleiben.“


Tod mit 69 Jahren

Von den letzten Stunden schrieb die Schwester Luise, die am Totenbett Kindespflicht erfüllte, aus dem Cleversulzbacher Pfarrhaus: „In ihrem Glauben an Gott und ihren Erlöser blieb sie mit innigem Verlangen und einer Freudigkeit zu sterben, die über alles geht“.

Der große Sohn ehrt ihr Andenken mit den schönen Worten: „Wahrlich, sie verdiente es, liebende und dankbare Kinder zu haben, denn sie war selbst eine gute Tochter für ihre leidenden und hilfsbedürftigen Eltern, und die kindliche Sorgfalt, die sie selbst gegen die letzteren bewies, verdient es wohl, dass sie von uns ein gleiches erfuhr.“

Pfarrer Frankh von Cleversulzbach (früher Vikar in Gerlingen) trug ins Totenbuch ein: „Den 29. April 1802, nachmittags 2 Uhr, starb meine Schwiegermutter, weil. Frau Elisabetha Dorothea, weil. Herrn Joh. Caspar Schillers, Herzogl. Württembergischen Majors und Intendanten der Herzogl. Solitude Gemahlin an einer Entzündung und wurde am 1. Mai nachmittags 2 Uhr standesgemäß beerdigt (Alter 69 Jahre, 4 Monat, 16 Tag).“

Jahrzehnte später (1834) kam der Dichter Eduard Mörike als Pfarrer nach Cleversulzbach bei Heilbronn. Er zeigte großes Interesse für das Grab von Schillers Mutter. Wie er selbiges vorfand, schildert er im folgenden Gedicht:

„Nach der Seite des Dorfs, wo jener alternde Zaun dort ländliche Gräber umschließt, wall ich in Einsamkeit oft. Sieh den gesunkenen Hügel! Es kennen wenige Greise kaum ihn noch und es ahnt niemand ein Heiligtum hier. Jegliche Zierde fehlt und jedes deutende Zeichen; dürftig breitet ein Baum schützende Arme umher. Wilde Rose! Dich find ich allein statt anderer Blumen; ja beschäme sie nur, brich als ein Wunder hervor! Tausendblättrig eröffne dein Herz! Entzünde dich herrlich am begeisternden Duft, den aus der Tiefe du ziehst! Eines Unsterblichen Mutter liegt hier bestattet; es richten Deutschlands Männer und Frauen eben den Marmor ihm auf.“


Aus GAZ Nr. 35/1959 von Otto Schöpfer (†)

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