Missionare Rebmann, Zimmermann, Maisch

Missionare Rebmann, Zimmermann und Maisch

Johannes Rebmann (1820–1876)

1839–1844 Missionshaus in Basel

1846–1875 Missionar, Sprachforscher und Übersetzer in Mombasa, Rabbai Mpia (Ostafrika, heute Tansania) Mit ihm beginnt die ostafrikanische Mission. Straßen in Gerlingen, Korntal, Stuttgart und Lübeck sind nach ihm benannt.

1957 Rebmann-Denkmal (Gazelle, geschaffen von Fritz von Graevenitz) in Gerlingen

1970 Büste im Sitzungssaal des Gerlinger Rathauses

1993 Rebmann-Bibliothek in Kalali (Tansania)

Er will dem in Afrika nach Süden vordringenden Islam einen Wall entgegensetzen und plant, zusammen mit seinem Mitarbeiter Ludwig Krapf, quer durch den bis dahin im Innern weitgehend unbekannten Erdteil, von Mombasa im Osten bis nach Gabun im Westen, im Abstand von jeweils hundert Wegstunden Missionsstationen zu bauen.

Dazu unternimmt er ausgedehnte und nicht ungefährliche Exkursionen, um die notwendigen Kenntnisse über Land, Menschen und deren Verhältnisse zu erlangen. Dabei sieht er als erster Europäer am 11. Mai 1848 den beinahe 6000 Meter hohen schneebedeckten Kilimandscharo. Während viele Fachleute über seinen Bericht spotten, erhält er von der »Geographischen Gesellschaft« in Paris eine Ehrenmedaille.

Bescheiden schreibt er darüber nach Hause: »Ich bin ja nicht ausgegangen, um geographische Entdeckungen zu machen, sondern vor den Völkern, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, die Erlösung und das Heil in Christo Jesu aufzudecken«. Er will ihnen »das Christentum nicht bloß geistlich, sondern ganz leibhaftig« darstellen und fordert deshalb »ernstlich, dass sobald als möglich einige fromme Bauernfamilien aus England oder Deutschland« ihn in seiner Arbeit unterstützen sollten.

Neunundzwanzig Jahre arbeitet er ohne Heimaturlaub in Ostafrika, kehrt 1875 erblindet zurück und stirbt am 4. Oktober 1876 in Korntal, wo noch heute seine Grabstätte zu sehen ist. 


Johannes Zimmermann 1825–1876

1844–1850 Missionshaus in Basel

1850–1876 Missionar, Sprachforscher und Übersetzer in Christiansborg, Abokobi, Odumase (Westafrika, heute Ghana) hat Generationen von kirchlichen Mitarbeitern und Lehrern geprägt

1970 Büste im Sitzungssaal des Gerlinger Rathauses

1972 »Zimmermann-Gedächtniskirche« in Odumase eingeweiht

1976 Gedenktafel an der Petruskirche

Zimmermann erlernt das Bäckerhandwerk und bewirbt sich mit 19 Jahren um Aufnahme ins Baseler Missionshaus. Im Jahre 1844 wandert er zu Fuß dorthin. Da er nach Westafrika gehen will, erlernt er schon in der Missionsanstalt die Gã-Sprache. Im Jahre 1850 packt ihn schon wenige Wochen nach seiner Ankunft an der Goldküste das »Afrika-Fieber«. Ein afrikanischer Medizinmann heilt ihn.

Zum Entsetzen der Missionsgesellschaft heiratet er 1851 ohne deren Erlaubnis eine geschiedene Afrikanerin. Im Jahre 1854 beginnt er seine Arbeit im landeinwärts gelegenen Abokobi, wo er seine »Kolonisationspläne« verwirklichen will: Mission und Wirtschaftshilfe sollen gleichrangig den Afrikanern weiterhelfen. »Über den Acker« will er die Afrikaner gewinnen. Dabei sollen ihm Handwerker und Bauern aus der Heimat helfen.

Als »Botschafter Jesu« lebt Zimmermann als Afrikaner unter seinen Afrikanern, übersetzt die Bibel, 500 Kirchenlieder (darunter 300 eigene) und den Katechismus in ihre Gã-Sprache. Mit dem damaligen König Odenko Azzu verbindet ihn eine jahrelange, tiefe Freundschaft.

Erst als 1972 ein presbyterianischer Kirchenführer aus Ghana in Gerlingen nach dem bei ihnen hoch verehrten Johannes Zimmermann nachforschen will, erinnert man sich an den beinahe vergessenen Johannes Zimmermann, von dem es heißt: »In Afrika, seinem zweiten Vaterland, lebt er in den kommenden Geschlechtern fort; denn als Sprachforscher und Bibelübersetzer hat er einem ganzen Volksstamme Westafrikas auf alle Zeiten hinaus unvergessliche Dienste geleistet und unverwischbare Spuren seines Wirkens hinterlassen«.

Darum reist Bürgermeister Eberhard 1972 ins Manya-Krobo- Königreich. Im Jahre 1976 erwidert König Nene Nazzu Mate Kole den Besuch und enthüllt dabei an der Petruskirche eine Gedenktafel für Johannes Zimmermann. Zum 50jährigen Thronjubiläum dieses Königs, des »Großen Vaters«, reist Bürgermeister Sellner 1989 nach Ghana.


Wilhelm Maisch (1878–1924)

1897–1904 Missionshaus in Basel

1904–1924 Hoschuwan (China)

1911–1920 Distriktspräses

1921–1924 Generalpräses in Südchina; Führender Kopf der Baseler China-Mission

Wilhelm Maisch beginnt sehr früh, die Chinesen eigenverantwortlich in seine Missionsarbeit mit einzubeziehen. »Als ich hierher kam«, schreibt er nach Basel, »besorgte der Missionar alles. Das ist jetzt anders geworden. Jeder hat seine Last und seine Verantwortung zu tragen. So hat der Missionar nur die Oberaufsicht. Ich lasse ihnen nicht nur die Bürde, sondern auch die Würde. Dadurch ist das Verhältnis zwischen den Europäern und den Chinesen nicht schlechter, sondern entschieden besser geworden«.

Damit war die Zeit gekommen, dort die Mission auf eigene Füße zu stellen und eine eigenständige chinesische Kirche zu gründen. Darum schreibt er 1922 nach seiner zweiten Ausreise: »Eine ganze Periode der Missionsarbeit in China ist abgeschlossen, und eine neue nimmt ihren Anfang. Die Zeit ist allemal vorbei, wo ausländische Missionen und Missionare die Leitung der Arbeit ausschließlich in ihrer Hand halten.

Der Ausländer muss herunter von seiner beherrschenden Stellung, muss neben den Chinesen treten und ihn als gleichberechtigt anerkennen«. Nach 16 Jahren geduldiger Aufbauarbeit stirbt er am 25. Juni 1924 an Herzversagen. In 500 von ihm aufgenommenen Photos hat er Leben und Alltag der Chinesen festgehalten. Sie sind heute kostbarer Besitz des Stadtarchivs.


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