Die Solitude wird Teilgemeinde von Gerlingen

Die Solitude wird Teilgemeinde von Gerlingen

1825 wurde der Flecken Gerlingen um seine Erklärung wegen Zutheilung der Staatsdomäne zu dasiger Gemeinde in gerichtlicher und polizeilicher Rücksicht aufgefordert. Die Gemeinde Gerlingen hatte dagegen nichts einzuwenden, nur verwahrte sie sich
 
gegen allen Nachtheil, der der hiesigen Gemeinde zuwachsen könnte ... u. a., daß die Einwohnerschaft der Staatsdomäne Solitude

1. keineswegs der hiesigen Gemeinde incorperiert werden, mithin
2. nie einen Bestandteil derselben ausmachen dürfe, wobei es sich
3. von selbst versteht, daß von Überweisung solcher Personen die dorten geboren, sich auf gehalten oder auf irgend eine Art eine Verbindlichkeit herzuleiten vermögen, keine Rede sein kann
(hier ging es um das Bürgerrecht, das den Bewohnern der Solitude nicht zugestanden wurde) und
4. die Ausübung der Polizei und anderen dergleichen Verrichtungen der hiesigen Gemeinde nie einen Kosten verursachen wird.

Wie sehr die Solitude von ihrem Glanz eingebüßt hatte, zeigt deutlich das 1825 entstandene Bild aus dem Kapitel "Die Memoralien".

Sorgen machten sich die Gemeinde Gerlingen, der Pfarrer und der Kirchenkonvent wegen den nicht immer kontrollierbaren Vorkommnissen auf der Solitude. So, als der Stuttgarter Gaststättenpächter Louis im „Schwäbischen Merkur" Tanzveranstaltungen mit Harmonikamusik in einem der Solitude-Wirtshäuser ausschrieb, die auch noch während den Gottesdienstzeiten stattfinden sollten. Das war Sonntagsentheiligung, auf der schwere Strafen standen. Aber trotz mehrmaliger Ladung vor den Kirchenkonvent erschien dieser Louis nicht.
Vereinsfeiern wurden nun dort abgehalten, so ein Buchdruckerfest, von dem wir aber nur wissen, dass sich dabei ein Gerlinger übel betrank und von seiner Ehefrau beim Schultheißen angezeigt wurde.
Um eine bessere polizeiliche Aufsicht zu haben, wurde bereits 1825 ein Landjägerposten auf der Solitude eingerichtet, der erst nach dem Zweiten Weltkriege aufgelöst wurde. Die alten Gerlinger erinnern sich noch an den letzten seiner Gattung, an den Oberland Jäger Schaal.

1852 war die Solitude noch nicht gesetzlich in den Gemeindeverband Gerlingen eingegliedert. 1853 wurde immer noch verhandelt, aber erst 1858 kam es zur „Vollziehungsinstruktion der Königl. Kreisregierung des Neckarkreises mit der Gesamtgemeinde Gerlingen" und zu einem Ortsstatus. Darin wurde festgelegt, dass die Unterhaltung der öffentlichen Wege und Stege, Brücken und Brunnen, die Unterstützung notleidender Gemeindeglieder und das Schneebahnen auf der Solitude von der Gesamtgemeinde besorgt werden mußte:
Am Wahlrecht sowie an der Wählbarkeit zum 1. Ortsvorsteher, des Gemeinderaths und Bürgerausschuß nimmt jeder Stimmberechtigte der in der Gerlinger Gesamtgemeinde wohnende teil, in Beziehung auf Heirat und Übersiedlung gelten die allgemeinen Bestimmungen, aber an den bürgerlichen Nutzungen von Gerlingen haben die Bewohner der Solitude keinen Anteil, zur Unterstützung des Ortsvorstehers in Handhabung der Polizei wird jeweils aus den Einwohnern der Solitude nach Vernehmung des Gemeinderats ein Anwalt vom Oberamt widerruflich aufgestellt, welcher aus der Gesamtgemeindekasse jährlich 5 f erhält. ...
 
Schließlich wird hier noch angeführt, daß auch in Beziehung auf Kirche und Schule die Theilgemeinde Solitude der Gemeinde Gedingen zugetheilt ist. So gingen die Kinder der Solitude-Bewohner weiterhin nach Gerlingen in die Schule, und viele Gerlinger erinnern sich noch, dass jeden Tag bis zum Zweiten Weltkriege, ob es regnete oder schneite, im Sommer wie im Winter, die Solitude-Kinder über die alte Steige oder durch den Stöckachwald hierher zur Schule kamen. Mit der Zeit konnten auch Solitude-Bewohner das Bürgerrecht in Gerlingen erhalten, wenn sie die Bürgerannahmegebühr bezahlten, so Vater und Sohn derer von Graevenitz, denen noch 1922 als den zweit- und drittletzten das Bürgerrecht erteilt wurde.

Die „Kavaliershäuschen", die Nebenpavillons wurden zu Wohnhäusern umgestaltet. So wohnten in einem dieser Häuser - in Richtung Stuttgart - die Großeltern von Carl Friedrich und Richard von Weizsäcker.

Auf der Solitude wuchsen mit der Zeit auch die Grasplätze zusammen; es entstanden große Wiesen und damit ein Weidebetrieb, der noch vor der Jahrhundertwende vom Bergheime Höfer übernommen wurde.

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