Normalstrom oder Ökostrom?
Seit 1998 kann jeder Haushalt in Deutschland den Stromanbieter frei wählen. Wahlfreiheit bedeutet auch, sich für Ökostrom oder Normalstrom entscheiden zu können. Nachfolgend sind die wichtigsten Aussagen der beiden im 1. Halbjahr 2004 durchgeführten umfangreichen Ökostromvergleiche vom „Bund der Energieverbraucher“ und der Umweltorganisation ROBIN WOOD zusammengefasst.
Der normale Strom besteht in Deutschland durchschnittlich zu einem Drittel (im Falle EnBW sind das sogar 56 %) aus in Atomreaktoren und zur Hälfte aus in Kohlekraftwerken erzeugtem Strom. Ein kleiner Anteil kommt auch aus vor 1998 errichteten Anlagen auf der Basis erneuerbarer Energiequellen – vor allem Wasser.
80 Prozent des Strommarktes teilen sich die vier großen Energieversorgungsunternehmen E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall Europe, und es gibt nur wenige regionale Stadtwerke, an denen nicht einer der vier Konzerne beteiligt ist.
Doch auf dem bundesdeutschen Strommarkt gibt es auch Stromversorger, die sich ausschließlich für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen und aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung einsetzen. Dieser Ökostrom oder „grüne Strom“ macht zurzeit einen Anteil von 5 % aus. Je mehr neue Ökostrom-Anlagen entstehen, umso größer wird der Anteil von Ökostrom am gesamten Strom.
Die Vorteile: Reduzierung schädlicher Emissionen und damit Schutz unseres Klimas, Unterstützung der erneuerbaren Energien, die dezentral erzeugt werden und damit Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie größere Unabhängigkeit von Öl- und Gasproduzenten aus Krisengebieten.
Die Zertifizierung der Stromherkunft, die in der Vergangenheit mehr zur Verwirrung als zur Klarheit beigetragen hat, ist ab Juli 2004 überflüssig. Nach der EU-Richtlinie 2003/54/EG müssen alle Stromversorger jetzt die Herkunft ihres Stroms nachvollziehbar offen legen.
Welcher Stromversorger ist der richtige?
Anbieter von Ökostrom produzieren diesen in eigenen Anlagen oder kaufen den Strom bei einem Händler oder direkt beim Erzeuger. Doch wem gehören diese Anlagen? Handelt es sich bei ihnen um neue Anlagen (nur diese tragen zu einem vermehrten Umweltnutzen bei) oder solche, die schon lange bestehen wie z.B. einige große Wasserkraftwerke, deren Strom von den Energiekonzernen früher als Normalstrom und jetzt als Ökostrom - mit Preisaufschlag - verkauft wird?
Ferner: Wer tritt als Händler auf? Wer verdient noch mit an dem Geschäft?
Der Bund der Energieverbraucher und ROBIN WOOD haben die Anbieter „grünen Stroms“ kritisch unter die Lupe genommen. Kriterien für die Beurteilung waren u.a.: Preisvergleiche mit dem Mittelwert aller deutscher Stromanbieter für verschiedene Kilowattstunden-Verbrauchswerte, Umweltnutzen, Verflechtung mit der Atomindustrie, Sicherheit und Qualität (die vollständigen Angaben zu den Ökostromvergleichen sind unter https://www.energieverbraucher.de und www.robinwood.de zu finden).
Klare Testsieger mit hohem Umweltnutzen waren die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Greenpeace Energy, wobei die EWS preislich besser abschneidet.
Wechseln ist ganz einfach
Man fordert die notwendigen Unterlagen zum Stromwechsel telefonisch oder schriftlich bei einem Ökostrom-Anbieter an. Dabei kann man sich eine Vergleichsrechnung anhand des eigenen Stromverbrauchs erstellen lassen.
Sobald der unterschriebene Vertrag beim neuen Anbieter vorliegt, kümmert dieser sich um alle notwendigen Formalitäten. Es gibt keine Unterbrechung der Stromversorgung und der Zähler muss nicht gewechselt werden. Der Netzbetreiber vor Ort ist bei Störungen zuständig; dafür erhält er vom neuen Versorger u.a. die so genannten „Durchleitungsgebühren“.
NABU-LA21-Veranstaltung: Strom ohne Kohle, Strom ohne Atom
