Weilimdorfer Straße 2/4/6
Unterhalb der Kirchhofmauer stand der Widumhof. Er gehörte zum Kirchengut
urkundlich 1493 genannt
Hier endete das mittelalterliche Dorf
Aus den Einkünften des Widumhofes wurden im Mittelalter die Pfarrer besoldet und die Kirche unterhalten. Zum Widumsgut, das im 15. Jahrhundert 64 Morgen (ca. 21 ha) Äcker und 4 1/2 Tagwerg (ca. 2 ha) Wiesen umfasste, gehörten unter anderem die "Hofwiesen", das "Mesneramt", die "Breitwiesen" und die "Kreuzwiesen". Die Güter des Gerlinger Widumhofes verlieh 1493 Pfarrer Waibel als Erblehen an Michael Kling. Der Hof wurde später auf mehrere Bauern verteilt. Die Güter genossen Zehntfreiheit, aber die Besitzer waren zur Haltung des Faselviehs, d. h. des Farrens (Bullens), des Ebers und des Bocks verpflichtet.
Bis 1900 waren die Häuser des Dorfes durchnummeriert. Die Nummerierung begann mit dem Widumhof als Nr. 1 und 2. Sie führte von dort in einem einzigen ununterbrochenen Zug durch alle Gassen des Dorfes und kehrte mit der letzten Nummer auf der anderen Straßenseite der Weilimdorfer Straße hierher zurück.
Der Rasenplatz, auf dem wir stehen, war früher Begräbnisplatz. Auf dem nordwestlichen Teil stand dicht neben der Kirche und über der Mauer ein Schulhaus von 1711.
Weilimdorfer Straße 1 und 5

Fränkische Hofanlage oder Dreiseithof
Drei Gebäudegruppen stehen um einen offenen Hof
Am Haus Nr. 1 "Männle" im Fachwerkgiebel
Weilimdorfer Straße 5
Bauernhöfe dieses Typs bestehen aus einer Gruppe von Gebäuden, die an drei Seiten um einen nach der Straße zu offenen Hof angelegt sind. Die Scheune steht in der Hofanlage hinten, diese abschließend. Das Wohnhaus ist mit der Giebelseite zu der Straße hin ausgerichtet. Gegenüber stehen eine Reihe von Nebengebäuden hintereinander: Altenteil, Wagenschuppen, Holzlege, Mosttrotte, Waschhaus, Schweineställe.
Diese Hofform ist dem nördlichen Teil unseres Landes eigen. Der Stadtrundweg führt an mehreren Dreiseithöfen vorbei. Im südlichen Teil, besonders auf der Schwäbischen Alb, herrscht das bäuerliche Einhaus vor; dieses vereinigt Wohnteil, Scheune und Stallung unter einem Dach und steht mit der Traufseite an der Straße.
Das bäuerliche Einhaus ist in Gerlingen eine jüngere Hausform. Diese findet sich im allgemeinen außerhalb des alten Dorfbereichs oder innerhalb desselben nur dort, wo z. B. nach Bränden neu gebaut wurde.
Das schmale Gässchen zwischen Haus Nr. 3 und 5 heißt im Volksmund "Stinkbock", in seiner Fortsetzung "Wiesengässle". Es verläuft entlang der früheren Dorfgrenze, von der bei Nr. 14 die Rede ist.
Das Bauernhaus Weilimdorfer Straße 1 ist vorbildlich renoviert. Bemerkenswert ist das schöne Fachwerkhaus mit dem "Männle", einer menschlichen Figur unterhalb des Dachfirstes im Giebel.

Mund und Zunge der Figur führen in einen Taubenschlag.
Weilimdorfer Straße 11
Altes Schulhaus
Schule von 1818 bis 1958
umgebaut zum Stadtmuseum 1982
Seit 1559 gibt es in Gerlingen eine Schule. Das Schulhaus von 1711 stand dicht neben der Kirche, an der Stelle eines ersten Schulhauses, das schon 1559 erwähnt ist.
1818 kaufte die bürgerliche Gemeinde ein altes Bauernhaus zum Abbruch und erbaute an dessen Stelle dieses Schulhaus mit zwei Schulzimmern und einer Lehrerwohnung. 1850/1851 wurde es erweitert. Der nördliche Anbau steht auf einem Kellergewölbe von 1563. Im Jahre 1913 wurde das Schulhaus umgebaut und ein neues Treppenhaus angelegt.
Seit 1982 ist hier und im Gebäude Weilimdorfer Straße 9 das Stadtmuseum untergebracht. 1885 wurde das neue Schulhaus erbaut (heute Ditzinger Straße 1). 1952 konnte die Pestalozzi-Schule (heutiger Altbau) und 1958 der Neubau der Pestalozzi-Schule eröffnet werden. Weitere Schulgebäude wurden gebaut. 1963/1966 Breitwiesenschule, 1963 Waldschule, 1970 Realschule, 1973 Gymnasium.
