
Petrus-Kirche
Baubeginn 1463, vollendet nach 1495
Bauhütte des Peter von Koblenz und Hans Wunderer von Pfaffenhofen. Ehrenmale von F. v. Graevenitz. Am Chor Grabstätte von Schillers Vater Caspar und Schwester Nanette, beide gestorben 1796. Zimmermann Gedenkstein von F. Dakay
Im Jahre 1275 wird erstmals eine Kirche erwähnt. Ältester Bauteil der heutigen Petruskirche ist der 35 m hohe Turm an der Nordwestecke des Kirchenschiffs. Mit dem Bau des eindrucksvollen Schiffes wurde 1463 begonnen (siehe Jahreszahl an der nordwestlichen Giebelseite links vom Eingang). Nach dem Bau von Turm und Schiff wurde in einem dritten Bauabschnitt bald nach 1500 auf der Südseite des Chores eine gewölbte Sakristei angebaut. Noch heute erinnert ein aus der Turmmauer herausragender Ausgussstein daran, dass bis dahin das gewölbte Erdgeschoss des Turmes als Sakristei gedient hatte. Im Innern der Kirche blieb der ursprüngliche Raumeindruck trotz einiger Umbauten und Veränderungen (wie Fenster, Empore, Kanzel) weitgehend erhalten. Vor allem sind zu nennen: die schöne Flachdecke im Schiff und das kunstvolle Netzgewölbe mit den großartigen Schlusssteinen im spätgotischen Chor. Diese zeigen in ausdrucksstarken Darstellungen (von O nach W) nacheinander:
- das Meisterzeichen des leitenden örtlichen Baumeisters (seinen Namen kennen wir nicht); er muss ein naher Mitarbeiter des gräflichen Oberbaumeisters Peter von Koblenz gewesen sein,
- das Landeswappen Herzog Eberhards von 1495,
- die Mutter Maria mit dem Jesusknaben,
- den Apostel Petrus,
- den Apostel Paulus,
- die heilige Katharina,
- die heilige Barbara,
- den heiligen Veit,
- den heiligen Sebastian
- und das Meisterzeichen des Hans Wunderer von Pfaffenhofen.
Das Meisterzeichen des Hans Wunderer findet sich auch in Friolzheim, Hemmingen, Magstadt, Pfaffenhofen und Zaberfeld.
Unsere Aufmerksamkeit verdienen auch der überlebensgroße Kruzifixus am Altar, die Petrusfigur an der Südwand des Schiffs (die bis 1979 auf dem Westgiebel stand, wo seitdem eine Kopie aufgestellt ist) und ein kleiner Rest des Chorgestühls. Sie stammen wohl aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Die wichtigste Veränderung im Innern war 1581 der Einbau der beiden Emporen. Ein nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges aus Thüringen zu uns gekommener Maler, Wolfgang Buchenau, hat sie 1679/1680 mit einem Bilderzyklus geschmückt, in dem er das Leben Jesu darstellt. Er hat auch den schönen Prospekt der Orgel, die damals im Chor den Platz des ehemaligen Hochaltars einnahm, "illuminieret und gezieret".
Die noch um die Kirche und den ehemaligen Friedhof herumführende Mauer (mit Steinen von 1535 und 1590) zeugt noch heute von der ursprünglich wehrhaften Anlage
