Kirchstraße 5
Hier stand das Geburtshaus des Missionars und Sprachforschers Johannes Zimmermann an der Goldküste/Ghana tätig, geb. 2.3.1825, gest. 13.12.1876
Zimmermann war Missionar der Basler Mission. Sein Wirkungsbereich war das Kroboland im heutigen Ghana. Zimmermann vermittelte dort nicht nur das Christentum. Er lehrte die Bevölkerung auch Ackerbau und Viehzucht und verfasste zu ihrer Sprache ein heute noch verwendetes Wörterbuch. Ein gewisser Wohlstand der Bevölkerung im Kroboland geht auf das Wirken Zimmermanns zurück. Sein Ansehen ist dort immer noch in so guter Erinnerung, dass 1972 in Odumase eine Kirche zu seinem Gedächtnis erbaut und geweiht wurde. Zu diesen Feierlichkeiten wurde auch Bürgermeister Eberhard aus Gerlingen eingeladen.
Mehrfach waren seither geistliche und weltliche Würdenträger aus Ghana in Gerlingen zu Gast. 1976 auch der Stammesfürst Konor (König) Azu Mate Kole. Sein Urgroßvater war mit Johannes Zimmermann persönlich befreundet gewesen. Im Jahre 1989 nahm eine Gerlinger Delegation mit Bürgermeister Albrecht Sellner am 50jährigen Thronjubiläum des Königs teil.
1999 und 2004 besuchte Gerlingen der neue Stammesfürst Konor (König) Nene Sackitey II.
Kirchstraße 7/9
Hier stand bis 1850 die herzogliche Zehntscheuer, rechts daneben bis 1960 der Pfarrhof, gegenüber das Geburtshaus des Missionars Johannes Rebmann, Entdecker des Kilimandscharo
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand die Steuer aus dem "Zehnten". Wenn zur Erntezeit die Korngarben auf dem feld gebunden und aufgestellt waren, mussten sie so lange bleiben, bis der Zehntmeister oder Zehnknecht jede zehnte Garbe für den Grundherrn aussortiert hatte. Grundherren waren der Herzog, das Hospital Stuttgart, das Kloster Hirsau und andere Herrschaften.
Zum Pfarrhof gehörten früher auch eine Scheune (die "Pfarrscheuer"), Stallungen und ein Waschhaus. Der Pfarrherr hatte Anrecht auf den "kleinen Zehnten", bestehend aus Obst, Rüben, Linsen, Kraut, Zwiebeln und Wein.
Kirchstraße 18/20 und 22/24

Weingärtner-Doppelhäuser mit überbauter Hofeinfahrt, tiefen Kellern und Scheunen im Hof

Die Johannes-Rebmann-Stiftung ermöglichte die Restaurierung des Rebmann-Hauses.
Johannes Rebmann, in Basel als Missionar ausgebildet, und von einer englischen Missionsgesellschaft ausgesandt, war von 1845 bis 1875 in Ostafrika, dem heutigen Kenia/Tansania tätig. Am 11. Mai 1848 erblickte er als erster Weißer dem schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharos. Sein Tagebuch von 1848/49 ist im Stadtarchiv als Original und als Abschrift vorhanden. Im Herbst 1848 fertigte er zusammen mit den Missionaren Jakob Erhard aus Bönnigheim und Dr. Ludwig Krapf aus Derendigen die erste Karte des Gebietes rund um den Kilimandscharo an.
Im Hof von Kirchstraße 18/20 stand eine Scheune mit der Jahreszahl 1602 und einer Inschrift. Diese lautete:
"Die Scheir stedt in Gotes Handt. Der Her behiedt sie vor Feir und vor Brant 1602 H.S."
Doppelhäuser dieses Typs aus dem 16. / 17. Jahrhundert gibt es mehrere in Gerlingen (Kirchstraße Nr. 18/20 und 22/24, und Hirschstraße 3/3 a). Sie gehörten jeweils zwei gelegentlich einem Eigentümer. Jede Hälfte hatte einen eigenen Treppenaufgang, einen eigenen Keller und hinter dem Hof eine eigene Scheune.
Kirchstraße 42
Ältestes Gebäude von Gerlingen, Firstständerhaus von 1417/18
Das Bauholz für dieses Wohnhaus (einst ebenfalls Teil eines Dreiseithofs) wurde im Herbst 1417 geschlagen und im folgenden Jahr verzimmert. In Resten ist der alte Firstständerbau (z. Zt. der älteste in Südwestdeutschland) nach dem Verputzen des Gebäudes vor allem im rußgeschwärzten Dachgeschoss noch gut erkennbar. Der nördliche Giebel wurde 1707 erneuert, nachdem schon im 16. Jahrhundert die Nordwestecke wegen des Baus der Kirchhofmauer abgeschnitten worden war. An diesem Platz stand wohl, beginnend mit der alamannischen Landnahme, der Herrenhof des frühen Dorfes.
