Gehe zum Navigationsbereich Gehe zum Inhalt
Stadt Gerlingen - Startseite
Volkshochschule Schillerbrunnen Fachwerk Stadtbücherei Bilder Gerlingen
SITEMAP | IMPRESSUM | KONTAKT | SUCHE
Suche starten
| HILFE
  • Stadtinformation
  • Rathaus
  • Gemeinderat & Politik
  • Wirtschaft
  • Kultur & Bildung
  • Freizeit & Soziales
  • Lokale Agenda 21
    • Wir über uns
    • Arbeitskreise
    • Informationsmaterial
    • Basiswissen
  • Bürgerstiftung
  • Joh.-Rebmann-Stiftung
  • Hotels online

 

 

Basiswissen /
K
leines Nachhaltigskeitslexikon
  

  

Deckblatt Nachhaltigkeits-LexikonWas verbirgt sich hinter „Agenda 21“, „Lokaler Agenda“, „Bürgerbeteiligung“? Was wird unter „nachhaltiger Entwicklung“ verstanden oder unter „Stadt der Zukunft“, was bedeutet „Handel“ im Sinne von fair oder gerecht und was hat das alles mit „Nachhaltigkeit“ zu tun? Handelt es sich dabei nur um Umweltfragen oder auch um Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft?

Mit dem „Kleinen Nachhaltigkeits-Lexikon“ wollen wir mehr Klarheit über die oft sperrigen Begrifflichkeiten und ihre Auswirkungen vermitteln.

A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M   N  O  P  Q  R 

S  T  U  V  W  X  Y  Z  Literatur und Links  Impressum

 

A – wie Agenda 21

Agenda ist ein lateinischer Begriff und bedeutet "Das, was zu tun ist". Die Zahl 21 steht für das 21. Jahrhundert. Agenda 21 heißt also: "Was im 21. Jahrhundert zu tun ist". Die „Agenda 21“ ist das Aktionsprogramm der "Konferenz für Umwelt und Entwicklung" der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 (auch „Erdgipfel“ genannt), das weltweit von der globalen bis zur kommunalen Ebene wirken soll.

  

Auslöser für die Agenda 21 war die Erkenntnis, dass es in einer Welt mit so viel Armut und Umweltschäden keine gesunde Gesellschaft oder Wirtschaft geben kann und dass Maßnahmen gegen die zunehmende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und die wachsende Kluft zwischen Nord und Süd (Arm und Reich) – auch für zukünftige Generationen – ergriffen werden müssen.

  

Ziel ist, die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse mit einer qualitativ hochwertigen Umwelt und einer gesunden Wirtschaft für alle Menschen miteinander in Einklang zu bringen. Dies kann keine Nation für sich allein – vielmehr ist eine weltweite Partnerschaft für eine nachhaltige (zukunftsfähige und auf Dauer tragfähige) Entwicklung erforderlich.

  

Und weil viele Probleme vor Ort entstehen, fordert die Agenda 21 – neben den Staaten – ausdrücklich Städte und Gemeinden in Kapitel 28 auf, gemeinsam mit ihren Bürgern und Bürgerinnen eine „lokale“ Agenda 21 zu entwickeln und umzusetzen, also ein kommunales Aktions- oder Handlungsprogramm mit Maßnahmen "Was im 21. Jahrhundert vor Ort zu tun ist".

   

A – wie atmosfair

 

atmosfair ist eine eigenständige Non-Profit-Organisation, die jedem die Möglichkeit bietet, für die durch eine  Flugreise verursachten Klimagase einen Preis zur Kompensation zu zahlen. Gesellschafter ist die umwelt- und entwicklungsorientierte Stiftung Zukunftsfähigkeit. Schirmherr des Konzepts ist u.a. der ehemalige UN-Umweltchef Klaus Töpfer.
 

Die Kundinnen und Kunden von atmosfair können auf der Webseite www.atmosfair.de Abflug- und Zielflughafen einer Flugreise eingeben. Ein Emissionsrechner berechnet die Menge an CO2, die dieselbe Klimawirkung hat wie die Emissionen des eingegebenen Fluges pro Passagier. Der Kunde kann anschließend an atmosfair den Betrag zahlen, der nötig ist, um die berechneten Emissionen an anderer Stelle in von der Uno zertifizierten Klimaschutzprojekten einzusparen. 

 

   

B – wie Bildungsstandards

  

In den Bildungsstandards des Bildungsprogramms von 2004 für Schulen sind Aspekte des globalen Aktionsprogramms von Rio, der Agenda 21, aufgenommen worden. Beispiel aus dem Fach Physik an Gymnasien:
 

Ein wesentlicher Aspekt des Physikunterrichts sind gesellschaftspolitische Fragen zur Energieversorgung, Nachhaltigkeit und Umweltproblematik. Der Unterricht muss so aufgebaut sein, dass die Lernenden in der Lage sind, an der zukunftsfähigen Gestaltung der Weltgesellschaft im Sinne der Agenda 21 aktiv und verantwortungsvoll mitzuwirken und im eigenen Lebensumfeld einen Beitrag zu einer gerechten, umweltverträglichen und nachhaltigen Weltentwicklung zu leisten.

 

   

B – wie Bürgerbeteiligung 

 

Nach Kap. 28 der „Agenda 21“des Erdgipfels von Rio 1992 soll der Prozess einer Lokalen Agenda im Dialog und Konsens mit allen Akteuren vor Ort erfolgen. Das ist ein Auftrag an die Stadt bzw. Gemeinde, der Chancen für alle Beteiligten enthält: 

  • Ideen und „Expertenwissen“ der Bürgerschaft werden genutzt.
      
  • Der Leitgedanke Nachhaltigkeit (das, was zukunftsfähig und dauerhaft tragfähig ist) wird in einer breiten Öffentlichkeit verankert.
     
  • Verwaltungshandeln wird transparenter und bürgernäher.
     
  • Ein anderes Demokratieverständnis mit weniger Politikverdrossenheit wird möglich.

Beteiligte sollen Bürgerinnen und Bürger sein sowie ortsansässige, relevante gesellschaftliche Gruppen (Bildungsträger, Kirchen, Wirtschaft usw.).

Die Beteiligung der Menschen ist ein entscheidender Punkt im Prozess einer „Lokalen Agenda 21“. Nur mit dauerhafter Bürgerbeteiligung in enger inhaltlicher Zusammenarbeit mit Verwaltung und Gemeinderat wird sie zum Erfolg.
 

Was als Offenheit mancher Stadtverwaltung gegenüber Initiativen aus der Bürgerschaft erscheint, entpuppt sich in vielen Fällen als gewähren lassen von in der Agenda aktiven Menschen, ohne sich auf Verbindlichkeiten festzulegen und ohne Interesse an den Ergebnissen. Darum ist es notwendig, dass die Beteiligung (Partizipation) institutionalisiert wird, damit sie eine wirkungsvolle Mitwirkung an einer handfesten Zukunftspolitik ermöglicht. Werden die Ergebnisse der Arbeit nicht mit der offiziellen Kommunalpolitik verknüpft, besteht die Gefahr, dass die Lokale Agenda 21 nur „Spielwiese“ ist. 

 

   

B – wie Bürgerschaftliches Engagement

 

Als Folge der immer enger werdenden finanziellen Spielräume der Gemeinden – z.B. aufgrund der demografischen Alterung unserer Gesellschaft und der zurückgehenden Besteuerung von Unternehmen in der globalisierten Wirtschaft – wird mehr bürgerschaftliche Eigeninitiative und Kooperation als bisher nötig sein. Die Kommunen werden in Zukunft immer weniger in der Lage sein, alle Wünsche der Bürger/-innen nach öffentlichen Dienstleistungen zu erfüllen. Bürgerschaftliches Engagement ist mit wirkungsvoller Beteiligung unmittelbar verbunden. In unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft liegt es auf der Hand, dass die Bürger/-innen mehr Mitspracherechte und mehr Wahlmöglichkeiten erhalten. Im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements arbeiten sie in der Regel unentgeltlich mit.
 

Ohne Bürgerschaftliches Engagement keine Lokale Agenda 21! Dieses ist Voraussetzung für die Agenda-Arbeit. Vielfältiges Bürgerschaftliches Engagement gibt es aber auch außerhalb einer Lokalen Agenda.

 

    

C – wie CO2-Bilanz 

 

Die CO2-Bilanz bietet ein Maß für die nachhaltige, ökologisch-lang­fristige Betrachtung der Menge des Treibhausgases CO2.
 

Fast alles Leben auf unserer Erde bezieht seine Energie aus zwei Prozessen: Entweder der Fotosynthese (aus CO2 + Wasser werden Kohlenhydrate + Sauerstoff gebildet) oder der Veratmung (z.B. Kohlenhydrate werden mit Sauerstoff umgesetzt – verbrannt – zu CO2 + Wasser).
 

Seit der Entstehung des Lebens hat sich auf der Erde inzwischen ein Gleichgewicht mit einer konstanten CO2-Konzentration in der Atmosphäre gebildet.

Reduziert man nun die CO2-Ver­braucher (Abholzen der Regenwälder), bzw. setzt man "altes", gebundenes = fossiles CO2 (z.B. aus Erdöl, Erdgas oder Kohle) frei, steigt der Kohlendioxidgehalt der Luft, was zum Treibhauseffekt (s. dort) führt, d.h. hier ist die CO2-Bilanz nicht ausgeglichen. Das wäre sie genau dann, wenn z.B. bei der Verbrennung von Holz genauso viel CO2 abgegeben wird, wie gleichzeitig beim Wachsen von Bäumen wieder gebunden wird.
 

Mit einer persönlichen CO2-Bilanz kann ermittelt werden, wie viel CO2 durch den eigenen Lebensstil jährlich freigesetzt wird. Gewohnheiten und Lebensumstände beeinflussen den CO2-Ausstoß: so hat z.B. ein Urlaubsflug in die Karibik einen enormen Einfluss auf eine persönliche CO2-Bilanz, aber auch Alltägliches kann verblüffend energieintensiv sein.
 

Im Internet gibt es Programme mit denen der persönliche Energieverbrauch und der dadurch entstehenden CO2-Ausstoß abgeschätzt und dann mit dem deutschen Durchschnitt vergleichen werden kann (z.B: www.bayern.de/lfu/luft/co2_rechner).

 

     

E – wie EMAS (Environmental Management and Audit Scheme)

siehe Öko-Audit


E – wie Emissionsrechtehandel 

Im Kyoto-Protokoll (s. dort) haben sich die unterzeichnenden Industrieländer - neben der weltweiten Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen um 5,2 % gegenüber 1990 – auch auf das  Instrument des Emissionsrechtehandels verständigt.  
  
Ziel des Emissionsrechtehandels ist die ökonomisch möglichst effiziente Verteilung einer durch die Politik mengenmäßig vorgegebenen Reduktion schädlicher, weiträumig oder global wirkender Emissionen. Hierzu werden vom Staat oder einer Behörde handelbare Emissionszertifikate an die betroffenen Betriebe ausgegeben, die diese jeweils für eine bestimmte Emissionsmenge (z.B. eine Tonne CO2) berechtigen. Die Gesamtmenge der ausgegebenen Zertifikate für einen bestimmten Zeitraum ist gedeckelt und wird gemäß der zu erreichenden Emissionsreduzierung festgelegt. Im Zeitverlauf wird die Anzahl der ausgegebenen Zertifikate reduziert, um so eine Verminderung der ausgestoßenen Schadstoffmenge zu erreichen. Die Zertifikate können zwischen den Betrieben frei gehandelt werden, wobei der Preis marktwirtschaftlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. 
 
Jedes Unternehmen kann entscheiden, ob es z.B. Zertifikate zukauft oder alternativ in Maßnahmen zur Emissionsreduktion investiert. Unternehmen, die mehr Zertifikate benötigen, müssen sie von anderen Unternehmen kaufen, die weniger benötigen, weil sie ihre Reduktionsverpflichtung schon weitergehend erfüllt haben. Es ist also den Unternehmen freigestellt, wie schnell oder langsam sie ihre Reduktionsverpflichtungen erfüllen wollen. 
  
Gemäß der zugrunde liegenden Theorie wird die Emissionsreduktion als erstes dort erfolgen, wo dies am preisgünstigsten möglich ist und so lange bei zunehmenden Preisen fortgesetzt, bis die geforderte Emissionsreduktion erreicht ist. 
 
Die Ausgabe der Zertifikate kann in Form einer Versteigerung, aber auch einer kostenlosen Zuteilung erfolgen. Im letzteren Fall muss dabei ein bestimmter Verteilungsschlüssel festgelegt werden, der sich in der Regel an den bisherigen Emissionen der Betriebe orientiert. Auch Mischformen sind denkbar. 

Die tatsächliche Wirksamkeit und Effizienz des Instruments hängt stark von der konkreten Ausgestaltung ab. Es wäre ein Missverständnis anzunehmen, dass Emissionsverursacher mit dem Erwerb der Zertifikate für die der Allgemeinheit entstehenden Folgekosten aufkommen würden. Tatsächlich bildet der sich am Markt bildende Zertifikatspreis lediglich die betriebswirtschaftlichen Kosten für das Erreichen des vorgegebenen Emissionsziels ab und sagt nichts über die Höhe der Folgekosten der verbliebenen Emissionen aus.

Europaweit wurde ein Emissionsrechte-Handelssystem (EU - ETS Emission Trading Scheme) für CO2 und andere klimawirksame Gase am 1.1.2005 eingeführt.

 

E – wie Energieeinsparung   

Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Öl, Kohle und Gas wie die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat. Deshalb geht der Weltenergierat in Paris davon aus, dass es in etwa 40 Jahren kein Erdöl, in 50 Jahren kein Erdgas und in 100 Jahren keine Kohle mehr gibt. Auch Uran soll nur noch ca. 60 Jahre reichen. Ohne Energieeinsparung und ohne einen effizienten Umgang mit Energie sind weder ein wirksamer Klimaschutz noch eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs der „endlichen“ Energieträger Kohle, Erdöl, Erdgas, Uran zu haben – zum Schaden nachfolgender Generationen. Der Treibhauseffekt (s. dort), zunehmende Naturkatastrophen, Kriege um die letzten Energieressourcen und immer höhere Preise für die alten Energieträger sind die Folge.
 

Die Münchener Rückversicherung hat ausgerechnet: Wenn die Naturkatastrophen weiter so zunehmen wie in den letzten 30 Jahren, dann reicht schon im Jahr 2050 das gesamte Welt-Brutto-Sozialprodukt nicht mehr aus, um nur die Naturschäden zu finanzieren.
 

Eine Studie, die Sir Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung 2006 erstellt hat, zeigt auf, welche fatalen Auswirkungen der Klimawandel auf die wirtschaftliche Entwicklung haben wird, wenn wir jetzt nicht entschieden handeln. Trotz der immensen Gefahren des Klimawandels macht die Stern-Studie Mut, weil sie darlegt, dass und wie das Problem mit Mitteln der Marktwirtschaft in den Griff zu bekommen ist. Sir Nicholas Stern kommt darin zu dem Schluss, dass nicht zu handeln sehr viel teurer sein wird als zu handeln. 1 Prozent des jährlichen Bruttossozialprodukts könnte notwendig sein, um katastrophale Folgen des Klimawandels zu verhindern. Die Kosten für Klimaschäden, die durch Nichtstun entstehen werden, liegen 5- bis 20mal höher. Diese Kosten wären vergleichbar mit den Verlusten für die Weltwirtschaft, die in der Zeit zwischen 1914 und 1945 entstanden, in der zwei Weltkriege stattfanden und die Weltwirtschaftskrise zu verzeichnen war. Es ist somit offensichtlich, dass die Auswirkungen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben katastrophal wären. Eine solche Entwicklung rückgängig zu machen, wäre unmöglich. Deshalb muss jetzt etwas getan werden.
 

Intelligenter Umgang mit Energie bedeutet keinen Verzicht, nützt dem betroffenen Handwerk und schafft Arbeitsplätze.
 

Jeder/jede von uns kann nach dem Motto „Global denken – lokal handeln“ etwas dazu beitragen, dass

  • Energie gespart wird, z.B. durch Sprit sparendes Fahren, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder durch Einsatz von Fahrrad und Beinen anstelle des Autos;
     
  • Energie effizient genutzt wird, z.B. durch Kauf sparsamer Autos, Einsatz von Energiesparlampen, Sanierung des Hauses mit besserer Wärmeisolierung, moderner Heizungs- und Haustechnik  

Beratende Unterstützung zum sparsamen Einsatz von Energie erfolgt u.a. durch Elektrizitätsversorgungsunternehmen, kommunale Einrichtungen, Verbraucherverbände, Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsministerien, die auch über Programme zur finanziellen Förderung von Energiesparinvestitionen informieren.

 

     

E - wie Erdgipfel von Rio

 

Der Erdgipfel von Rio 1992 gab der Umweltpolitik weltweit einen Auftrieb, sowohl bei Regierungen als auch Unternehmen. Das Grundgerüst für eine internationale Ordnungspolitik zugunsten der Biosphäre befindet sich seitdem im Aufbau. Rio verschaffte zahllosen kleinen Initiativen aus der Zivilgesellschaft, den Kommunen – u.a. mit ihren Lokalen Agenden – und der Wirtschaft erhöhte Legitimation. Das ist die positive Seite.
 

Trotzdem ist festzustellen: Der Norden vernachlässigt die Vereinbarungen von Rio und auch der Süden legt nach wie vor ein geringes Umweltinteresse an den Tag. Die Natur ist noch mehr unter Stress gekommen und die weltweite Ungleichheit hat zugenommen.
 

In der Zwischenzeit haben die Staaten den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) einen höheren Rang eingeräumt als den Verpflichtungen aus der „Agenda 21“, dem weltweiten Aktionsprogramms von Rio. Die Konferenz von Rio ist nicht unschuldig daran, dass die „Agenda der Nachhaltigkeit“, die Agenda 21, in der Perspektive von Wachstum und Freihandel formuliert worden ist, weil versäumt wurde, sich von der „Entwicklung durch Wachstum“ loszusagen (siehe auch Handel).


 

E - wie Erneuerbare Energien 

 

Unverzichtbarer Bestandteil einer Strategie, die langfristig Lebensgrundlagen sichern will, müssen die Erneuerbaren Energien sein. Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und Erdwärme haben das Potenzial, den weltweiten Energiebedarf mehrfach zu decken. Die Sonne liefert 15.000 -mal mehr Energie als 6.2 Milliarden Menschen (die heutige Weltbevölkerung) verbrauchen. Wenn der Wind an Land nicht weht, weht er noch immer auf den Meeren. Biomasseenergie, solarer Wasserstoff oder Erdwärme sind speicherbar, wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Da Sonnenschein und Biomasse überall vorkommen, bieten sie sich für dezentrale Produktions- und Ver­brauchsstrukturen an, ganz im Gegensatz zu Erdöl, Erdgas und Kohle, die an wenigen Orten konzentriert sind und zentralisierte Großanlagen erfordern.
 

Immer mehr Wissenschaftler und, Politiker weltweit weisen auf die dringende Notwendigkeit einer globalen Energiewende hin zu einer Energieversorgung der Weltbevölkerung auf Basis neuer Energiequellen.


  
 

F – wie Flugbenzinsteuer (Kerosinsteuer)

Auf Kerosin für Flugzeuge wird derzeit (Ende 2006) keine Steuer erhoben.
  
CO2 aus Flugzeugen in 10.000 Metern Höhe ist aber zwei- bis dreimal mehr Klima zerstörend, als aus Autos am Boden. In Europa wird heute doppelt so viel geflogen wie 1990, Tendenz steigend. Besonders die Billigfliegerei heizt das Treibhaus auf. 
  
Die EU muss laut Kyoto-Protokoll (s. dort) ihre CO2-Emissionen senken. Die Flugbenzinsteuer ist ein Instrument, das aufgrund eines Vorschlags der EU-Kommission nach 15 Jahren jetzt ernsthaft diskutiert wird. Der EU-Umweltkommissar will 2007 die Klimaschutzauflagen für die EU verschärfen. Alle Flugzeuge, die in der EU starten oder landen, müssen für ihre Flüge Verschmutzungsrechte vorlegen. Diese Rechte müssen erworben, also bezahlt werden.

Auf der Klimaschutzkonferenz in Nairobi wurde deutlich: Die Entwicklungsländer machen beim Klimaschutz (s. dort) erst mit, wenn die Industriestaaten mehr tun als bisher.
 

Entscheidend ist freilich, mit welchen Instrumenten der Klimaschutz und wie stark er in den Flugverkehr einbezogen wird. Bis jetzt (Ende 2006) sind noch alle Fragen offen. Die Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionsrechtehandel (s. dort), die Ticketabgabe- oder die Flugbenzinsteuer sind im Gespräch. 


     

F – wie Fortbildung

 

Nachhaltigkeit oder Zukunftsfähigkeit als neue „Unternehmensphilosophie“ der Kommunalverwaltung zu etablieren, erfordert, dass die Mitarbeiter/-innen die neue Leitvorstellung kennen lernen und sich möglichst weitgehend damit identifizieren können. Es muss also die Gelegenheit bestehen, sich damit auseinander zu setzen und sich klar zu werden, welche Konsequenzen sich daraus für die tägliche Arbeit ergeben. Die Möglichkeiten reichen vom Umlauf eines Diskussionspapiers über Veranstaltungen interner Diskussionsrunden und Fortbildungen bis zum Besuch externer Veranstaltungen. Wichtig ist, dass durch die Fortbildung eine Verknüpfung der Lokalen Agenda 21 mit dem eigenen Aufgabenfeld hergestellt werden kann.


 

G – wie Globalisierung

 

Globalisierung bedeutet, dass durch die enormen Fortschritte in Verkehrs- und Kommunikationstechnik in der Welt alles zunehmend miteinander verbunden ist. Deshalb befindet sich die Welt in einem stürmischen Prozess der Ausdehnung von Geschäften aus behüteten staatlichen Strukturen in einen weltweiten Markt, der im Wesentlichen nach der neoliberalen Logik (der Markt allein soll’s richten) der WTO (World Trade Organisation = Welthandelsorganisation) und den immer stärker deregulierten internationalen Weltfinanzmärkten funktioniert. Das größte Problem der Globalisierung ist die Herstellung der Balance zwischen der freien Kraft des Wettbewerbs und der weltweiten Etablierung von Bedingungen, unter denen der Markt nachhaltige (dauerhafte und zukunftsfähige) Ergebnisse produziert, die zu einer gerechteren Verteilung von Wohl­stand führt. 

 

G – wie Grüner Gockel

 

"Der Grüne Gockel" ist eine speziell für Kirchengemeinden und kleine kirchliche Einrichtungen entwickelte Form des Umweltmanagementsystems EMAS (s. Öko-Audit). Gemäß der zentralen Aufgabe der Kirche zur Bewahrung der Schöpfung wird eine nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung in Gemeinden und Einrichtungen angestrebt.


 

H – wie Handel

In Kap. 2 der „Agenda 21“, dem Aktionsplan des Erdgipfels von Rio (was im 21. Jahrhundert zu tun ist) wird empfohlen „nachhaltige Entwicklung (sustainable development) durch Liberalisierung des Handels zu fördern, ... damit sich Handel und Umwelt gegenseitig stützen“. Von den Regierungen wird seitdem erwartet, dass sie ein offenes, diskriminierungsfreies und ausgewogenes weltweites Handelssystem fördern. Bedingungslose Marktfreiheit von Unternehmen wurde als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems gesehen. Diese Ansicht wurde durch die Auffassung gestützt, dass Wachstum als Bedingung für Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit und ungebremste Märkte als Motoren der wirtschaftlichen Effizienz anzusehen seien. Ressourceneffizienz (wirkungsvoller Einsatz von natürlichen Rohstoffen und Geldmitteln) würde sich entfalten, wenn der Markt von Beschränkungen frei bliebe.  

Das kann – wie sich inzwischen deutlich zeigt – angesichts enormer wirtschaftlicher Expansion nur in spezifischen (wesenseigenen) Fällen, aber nicht generell zutreffen. Notwendig ist deshalb „fairer“ anstelle von freiem Handel. Zumindest müssen die Regeln des ungebremsten Freihandels höheren Verpflichtungsebenen wie Menschenrechten und Nachhaltigkeit/Zukunfts­fähigkeit nachgeordnet werden. Um Existenzrechte zu sichern, sind auch Abkommen über fairen Handel zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern notwendig, z.B. für Kleinbauern und für nachhaltigen Landbau in den armen Ländern des Südens.

  

H – wie Handlungsfelder

 

Wenn eine nachhaltige, d.h. dauerhafte und zukunftsfähige Entwicklung der Kommune im Rahmen eines Lokalen-Agenda-21-Prozesses angestrebt wird, muss klar werden, wo die Stadt innerhalb dieses Prozesses steht und was die Ziele sind. Dafür müssen Handlungsfelder der Verwaltung wie Verkehr, Siedlungsentwicklung, Sozialpolitik, Nord-Süd-Beziehungen, um nur einige zu nennen, definiert werden. Für diese ist eine Bestandsaufnahme durchzuführen (z.B. mit Hilfe von Checklisten). Dann erst kann die örtliche Situation bewertet werden. Diese Bewertung oder Analyse identifiziert die Stärken und Schwächen, ermöglicht die Formulierung konkreter Ziele, so dass danach in einem Konsultationsprozess (im Dialog und in Übereinstimmung mit allen Akteuren) ein Aktions- oder Handlungsprogramm mit Verantwortlichkeiten und einem Zeitrahmen aufgestellt werden kann.


  

I – wie Indikatoren

 

Indikatoren sind Mess- und Kenngrößen für die Bewertung und Trendbeschreibung zentraler Problemfelder einer nachhaltigen Entwicklung. Für die Lokale Agenda 21 wurde beispielsweise ein Indikatorensystem entwickelt, das die Bereiche Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft/Soziales und Bürgerbeteili­gung (Partizipation) umfasst. Innerhalb dieser Bereiche wurden jeweils sechs Einzelindikatoren bestimmt und mit einem entsprechenden Ziel verknüpft.
  

Beispiele:

  • Ziel: Möglichst niedriger Energieeinsatz
    Indikator: Stromverbrauch privater Haushalte in kWh pro Einwohner;
      
  • Ziel: Möglichst hoher regionaler Versorgungsgrad
    Indikator: Anteil der Anbieter regionaler Nahrungsmittel auf dem Wochenmarkt;
      
  • Ziel: Hohes Gesundheitswesen
    Indikator: Anteil übergewichtiger Kinder bei Schuleingangsuntersuchung.

  
I – wie Initiative

 

Die Initiative, in eine „Lokale Agenda 21“ (was vor Ort im 21. Jahrhundert zu tun ist) einzutreten, kann auch von anderen als der Kommunalverwaltung ausgehen. In Gerlingen hat die Volkshochschule 1997 die Initiative ergriffen. In anderen Gemeinden waren es z.B. kirchliche Gruppen, Eine-Welt- oder Umweltgruppen.


  

J – wie Johannesburg-Agenda 

    

Der „Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen in Johannesburg im Sommer 2003, war die Nachfolgekonferenz des Erdgipfels von Rio 1992 und hat zehn Jahre nach Rio Bilanz gezogen. Die Ergebnisse sind in der „Johannesburg-Agenda“ festgehalten. Hier die wichtigsten:

  • Es bedeutet einen Rückschritt hinter Rio, wenn die Welt weiter auf das Entwicklungsmodell des Nordens (Entwicklung durch Wachstum) anstelle einer nachhaltigen Entwicklung fixiert bleibt. Auch ist dem Süden mit einer solchen Entwicklung, wie der Norden sie 200 Jahre vorgelebt hat, schlecht gedient.
      
  • Gerechtigkeit kann nicht länger von Aspekten der Ökologie getrennt werden, da die in der Natur vorkommenden Rohstoffe (Naturressourcen) „endlich“ sind.
      
  • Die exzessive Beschlagnahme des globalen Umweltraumes durch die Wohlhabenden entzieht der an den Rand gedrängten Mehrheit der Armen vitale Ressourcen. Fairness ist deshalb nötig und verlangt, dass die Konsumentenklasse in Nord und Süd – also die Wohlhabenden – ihren „ökologischen Fußabdruck“ verkleinert.
      
  • Armut rührt eher her von einem Mangel an Macht als von Geld. Mehr Rechte für die Armen ist die Voraussetzung für die Beseitigung von Armut.
      
  • Ohne Umweg gleich ins „Solarzeitalter“ zu springen, darin liegt für den unterentwickelten Süden eine historische Chance. Eine Solarwirtschaft verspricht, sowohl mehr Menschen zu beschäftigen als auch Ressourcen zu schonen.

An der Konferenz in Johannesburg haben erstmalig ca. 700 Vertreter/-innen aus Lokalen-Agenda-Prozes­sen teilgenommen und die „Local Government Session“ gebildet. Die Ergebnisse für die Kommunen sind in einigen wichtigen Dokumenten festgehalten:

  • Die „Johannesburger Erklärung für nachhaltige Entwicklung“, in der nochmals die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung bekräftigt wird.
     
  • Der „Umsetzungsplan für eine nachhaltige Entwicklung“ bei einigen der dringendsten Probleme der Armut und Umwelt (z.B. Mangel an sauberem Wasser). Dieser Plan enthält die institutionelle Verankerung einer solchen Entwicklung und fordert ausdrücklich die Stärkung der Rolle der Kommunen und der Lokalen Agenda.
     
  • Der Aufruf der „Local Government Session“, der u.a. die Verpflichtung der Kommunen zur Entwicklung realistischer Aktionspläne und deren Umsetzung durch Agenda-21-Kampagnen und -Programme enthält (z.B. Schaffung von internationalen Städte- und Gemeindekooperationen und Durchführung entsprechender Aktivitäten und Partnerschaften im Rahmen der Lokalen Agenda 21).

  
K – wie Klimabündnis

 

Die Stadt Gerlingen ist dem „Klima-Bündnis der europäischen Städte / Alianza Del Clima e. V.“ im Herbst 2001 durch Gemeinderatsbeschluss beigetreten und hat sich damit verpflichtet, die Ziele des Klimabündnisses für Klimaschutz und Ressourcenschonung umzusetzen (Neufassung von 2006):

  • Kontinuierliche Verminderung der Treibhausgasemissionen. Ziel ist, alle 5 Jahre die CO2-Emissionen um 10 % zu reduzieren. Dabei soll der wichtige Meilenstein einer Halbierung der Pro-Kopf-Emissionen (Basisjahr 1990) bis spätestens 2030 erreicht werden.
       
  • Langfristig streben die Klima-Bündnis-Städte und Gemeinden eine Verminderung ihrer CO2 Emissionen auf ein nachhaltiges Niveau von 2,5 Tonnen CO2-Äquivalent pro Einwohner/-in und Jahr durch Energiesparen, Energieeffizienz und durch die Nutzung erneuerbarer Energien an.
      
  • Diese Ziele zu erreichen erfordert jedoch das Zusammenwirken aller Entscheidungsebenen (EU, Nationalstaat, Regionen, Gemeinde) und können mitunter nicht durch Maßnahmen im Entscheidungsbereich der Gemeinde allein erreicht werden. Um die Entwicklungen ihrer Bemühungen im Klimaschutz zu dokumentieren, werden die Klima-Bündnis-Mitglieder regelmäßig Bericht erstatten.
     
  • Eingeschlossen ist ein Verzicht auf die Nutzung von Tropenholz aus Raubbau in der kommunalen Beschaffung.

Übergeordnetes Ziel ist ein Klimaschutz zum Erhalt der Regenwälder in einer Partnerschaft mit den indigenen Völkern. Sie sollen ihre grundlegenden Rechte als Völker erlangen und in ihrer natürlichen Umwelt nach eigenen Entwicklungsvorstellungen leben und wirtschaften.


 

K – wie Klimawandel und Klimaschutz

 

Die exzessive Verbrennung fossiler Energieträger (Öl, Erdgas, Kohle) in den wohlhabenden Teilen der Welt ist die Hauptursache des Klimawandels, in dem wir uns nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft von führenden Klimaforschern schon befinden. Besorgnis erregend ist der immer weiter zunehmende Anstieg des Kraftfahrzeug- und Luftverkehrs, der zu einem noch rasanteren Anstieg der CO2-Emissionen führt.

 

So erwärmt sich die Erdatmosphäre immer mehr; die Natur wird instabil. Mit Klimastörungen werden Lebensräume weniger bewohnbar. Veränderungen in Luftfeuchtigkeit und Temperatur lösen Veränderungen in der Vegetation, der Artenvielfalt, der Bodenfruchtbarkeit und der Wasservorkommen aus.

 

Es wird davon ausgegangen, dass der Energieverbrauch sich weltweit durch wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand bis 2060 vervierfachen wird. Heute haben noch 1,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu elektrischem Strom. Der erwartete Aufholprozess wird den Klimawandel beschleunigen und den Treibhauseffekt anheizen. „Global denken – lokal handeln“. Diese Handlungsmaxime der „Agenda 21“ von Rio sollte deshalb besonders für den Schutz unseres Klimas gelten. Im Protokoll von Kyoto verpflichteten sich 1997 die Industrieländer rechtverbindlich, ihre Treibhausgas-Emissionen zu vermindern (siehe Kyoto-Protokoll). Das Abkommen gilt als erster wichtiger Schritt in der internationalen Klimapolitik, dem weitere Schritte der Staatengemeinschaft folgen müssen - und das unter Einbeziehung des größten Produzenten von Treibhausgasen, den USA.

 

  
K – wie Konsens und Kultur des Dialogs

 

Konsens heißt übersetzt Übereinstimmung. Eine nachhaltige oder zukunftsfähige Entwicklung, wie sie z.B. eine Lokale Agenda 21 zum Inhalt hat, lässt sich nicht per Gesetz oder Programm von oben verordnen. Die Aufstellung eines Aktions- oder Handlungsprogramms für eine Gemeinde oder Stadt muss getragen werden von einem möglichst breiten Konsens zwischen allen Beteiligten über die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. So empfiehlt es die „Agenda 21“, der globale Aktionsplan des Erdgipfels von Rio.
  

Der Konsens kann nur herbeigeführt werden durch eine „Kultur des Dialogs“, d.h. in einem Konsultationsprozess zwischen Kommunalverwaltung, Bürgerinnen und Bürgern, wichtigen gesellschaftlichen Gruppen vor Ort sowie ortsansässiger Wirtschaft. Gefordert ist hierbei Offenheit, Toleranz, Fantasie und Sachorientierung.

 

  
K – wie Kooperationsprinzip

 

Einvernehmliche Ziele miteinander zu vereinbaren, das ist das Charakteristische am Kooperationsprinzip. Es setzt auf Win-Win-Lösungen zwischen unterschiedlichen Akteuren. Statt auf Konfrontation wird auf die Kraft des Dialogs gesetzt, mit dem Ziel, Umweltverantwortung als Handlungsprinzip bei den Akteuren zu etablieren. Denn nachhaltige Erfolge können nur erzielt werden, wenn jeder, ob Bürger, Verwaltung, Wirtschaft oder Verbände in seinem Verantwortungsbereich daran mitarbeitet.

 

  
K – wie Kyoto-Protokoll

 

Im Protokoll von Kyoto verpflichteten sich 1997 Industrieländer rechtverbindlich, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 zusammen um mindestens 5,2 % unter das Niveau von 1990 zu senken. Nachdem sich die USA nach dem Amtsantritt von George W. Bush 2002 weigerten das Protokoll zu unterzeichnen konnte es erst 2005 in Kraft treten, nachdem es von Russland als 55. Staat unterzeichnet wurde.

 

Das Kyoto-Protokoll enthält für einzelne Länder spezifische Vorgaben. Für die damals 15 EU-Mitgliedsstaaten wurde eine Verminderung um 8 % vereinbart. Innerhalb der EU gelten wiederum unterschiedliche Ziele. Diese reichen von -28 % für Luxemburg über -21 %, für Dänemark und Deutschland bis zu Mitgliedsstaaten, die ihre Emissionen sogar noch steigern dürfen wie Portugal mit +28 %.
 
Neben dem Einsparen von eigenen Emissionen stehen den Staaten drei flexible Instrumente zur Zielerreichung zur Verfügung:

  • der weltweite Handel mit Treibhausgas-Emissionsrech­ten (s. Emissionsrechtehandel),
      
  • das Umsetzen von Maßnahmen in Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism) und
     
  • projektbezogene Kooperationen mit anderen Industriestaaten zur Emissionsminderung, wobei die erreichten Einsparungen auf die nationalen Reduktionsziele anrechenbar sind (Joint Implementation).

Das Kyoto-Protokoll ist ein erster  Schritt, dem weitere folgen müssen. Ein Nachfolgeabkommen soll die internationale Staatengemeinschaft nach dem Ergebnis der Klimaschutzkonferenz von Nairobi spätestens bis 2009 vereinbart werden.

 

  

L – wie Lokale Agenda 21  

Viele Ziele der „Agenda 21“ können nur vor Ort erreicht werden, da viele der angesprochenen Probleme und Lösungsansätze aus diesem Aktionsprogramm des Erdgipfels von Rio auf Probleme auf der örtlichen Ebene zurückzuführen sind. Deshalb soll jede Kommune gemeinsam – „im Konsens“ (Übereinstimmung) – mit ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie ortsansässigen relevanten gesellschaftlich Gruppen eine „Lokale Agenda 21“ aufstellen und unter der Leitvorstellung Nachhaltigkeit umsetzen. Das Besondere dabei ist die inhaltliche Bindung an die Ziele der Agenda 21 und die Erkenntnis, dass die Lokale Agenda die gesamte soziale, ökologische und ökonomische Dimension vor Ort umfassen muss. Das Neue ist, dass ein Konsultationsprozess zwischen Kommunalverwaltung, Politik und Bürgerschaft sowie den gesellschaftlich wichtigen Akteuren, wie z.B. Wirtschaft, herbeigeführt werden soll.

Damit ist die Lokale Agenda 21 (was im 21. Jahrhundert vor Ort zu tun ist) als langfristiger Prozess angelegt, in dem die Bürger/-innen die Möglichkeit haben, die nachhaltige, d.h. dauerhafte und zukunftsfähige Entwicklung ihrer Stadt mitzugestalten.

 

In Gerlingen arbeiten seit 1998 drei Arbeitskreise der Lokalen Agenda 21 an Ideen für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt. Ein Agendabüro beim Baurechtsamt fungiert als Schnittstelle zwischen Arbeitskreisen und Bürgerschaft einerseits, Verwaltung und Gemeinderat andererseits. Das „Bürgerforum der Lokalen Agenda Gerlingen“ bietet die öffentliche Plattform für Ideen und Vorschläge von Bürger/-innen und gesellschaftlichen Gruppen/Institu­tion­en (z.B. Schulen, Kirchen, Wirtschaft). Es informiert darüber hinaus über den Stand der Aktionen und Projekte. Der/die Sprecher/in des Bürgerforums wird aus der Mitte dieser Informationsveranstaltung für zwei Jahre gewählt. Seine/ihre Aufgabe ist es, die Arbeit der Arbeitskreise untereinander zu koordinieren und nach außen zu vertreten.

 

 

L – wie Lokaler Aktionsplan

 

Die „Lokale Agenda 21“ soll im Ergebnis ein Bündel von Maßnahmen und Projekten vieler Akteure für die Entwicklung der Stadt in Richtung Nachhaltigkeit sein, die ausgewählt und in einem lokalen Aktionsplan (oder Handlungsprogramm) festgehalten werden. Inhalt muss die Übertragung der „Agenda 21“ („globaler Aktionsplan“ des Erdgipfels von Rio 1992) auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort sein.

Angesichts der sehr differenzierten Planungsinstrumente in unseren Kommunen ist ein zusätzliches Planwerk nicht nötig. Es kommt vielmehr darauf an, kommunale Planungen und Programme aus allen Bereichen – von der Entwicklungs- und Bauleitplanung über Wirtschaftsförderung und soziale Programme bis hin zur Haushaltsplanung – auf die Leitvorstellung Nachhaltigkeit auszurichten und aufeinander abzustimmen.

Der lokale Aktionsplan ist also ein Dokument, in dem den bereits etablierten Planungen und Instrumenten Rollen auf dem Weg zur nachhaltigen oder zukunftsfähigen Stadt oder Gemeinde zugewiesen und die Beiträge der verschiedenen örtlichen Akteure zusammengeführt werden.

Ob es sich dabei um eine „Lokale Agenda“ handelt oder nicht, erkennt man daran, ob ihm die folgenden Prinzipien zugrunde liegen:

  • Integration von Themen und Interessen (deren Wechselwirkungen betrachtet werden müssen unter der Fragestellung: Werden wirtschaftliche Aspekte mit ökologischen und sozialen Aspekten verknüpft?)
      
  • Weitblick – zeitlich und räum­lich (zeitlich bezogen auf Verantwortung für nachfolgende Generationen, räumlich bezogen auf die weltweiten Lebensbedingungen von Menschen: Wie kann der globalen Ungleichverteilung von Ver­brauch und Wohlstand lokal begegnet werden?)
     
  • Nachhaltigkeit – der örtliche Verbrauch an Ressourcen orientiert sich an Regeln des zukunftsfähigen Wirtschaftens.

 

M – wie Maß halten

 

Eine nachhaltige oder zukunftsfähige Entwicklung hat der ehemalige Direktor des Wuppertalinstituts für Klima, Energie und Umwelt Prof. Dr. Ernst Ulrich Weizsäcker, einmal mit „Maß halten“ umschrieben. Wenn der Verbrauch der Ressourcen auf ein Zehntel gesenkt werde und sich die Art des Produzierens und Konsumierens ändern solle, sei eine neue Definition von Lebensqualität nötig. “Eine Suche, eine Forschung, eine Reflexion des rechten Maßes wäre dazu erforderlich, um in den verschiedensten Verhältnissen ein Gleichgewicht zu finden. Da wir aber in einer Welt leben, die im Wesentlichen von expansionistischen Tendenzen geprägt ist: Immer weiter, immer schneller, immer intensiver – heißt das heutzutage: auf Skepsis, auf Bewahren, auf Bremsen von Expansionstendenzen hinauszugehen“ – eben Maß halten.

 

 

N – wie Nachhaltigkeit  

 

Nachhaltigkeit im Sinne der „Agenda 21“, dem Aktionsplan des Erdgipfels von Rio 1992, umschreibt eine grundsätzliche Wertordnung, entlang der wir unser Handeln ausrichten sollen.

 

Eine Entwicklung ist nachhaltig, d.h. zukunftsfähig und auf Dauer tragfähig, wenn sie „den gegenwärtigen Bedarf zu decken vermag, ohne dabei zu riskieren, dass spätere Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können“. Die Brundtland-Kommission für Umwelt und Entwicklung übernahm diese Definition aus der Waldwirtschaft und übertrug dieses Prinzip 1987 erstmalig auf Politik und Gesellschaft. 1992 wurde es als Leitvorstellung in die „Agenda 21“ übernommen. (Leider ist „nachhaltig“ inzwischen zu einem oft falsch verwendeten Modewort geworden im Sinne von nachdrücklich, entschieden etc.)

 

Nachhaltige Politik enthält eine ökologische Komponente (Bewahrung der Umwelt), eine soziale (Stärkung des sozialen Zusammenlebens und der Gerechtigkeit) und eine ökonomische (Befriedigung materieller Bedürfnisse). Wichtig ist, dass sich diese drei Komponenten bei der Umsetzung von nachhaltigem Handeln nicht feindlich gegenüber stehen, sondern miteinander verknüpft und die betroffenen Menschen aktiv in die Entscheidungen und Handlungen einbezogen werden.

 

 

N – wie Nachhaltigkeitsindikatoren

 

siehe Indikatoren

 

 

N – wie Naturressourcen

 

Während früher die Welt voll an Natur erschien, aber leer an Menschen, ist es heute gerade umgekehrt: die Welt ist eher leer an Natur, aber voll an Menschen. Bedürfnisbefriedigung ist nicht begrenzt durch den Mangel an Händen und Köpfen, sondern durch die Knappheit an Naturressourcen (in der Natur vorkommenden Rohstoffen) und florierenden Ökosystemen.

 

Inzwischen ist die Natur, stärker als das Geld, der limitierende Faktor. Denn wirtschaftliches Wohlergehen ist ja immer häufiger nicht eingeschränkt z.B. durch die Zahl der Fischerboote, sondern durch die abnehmende Menge an Fisch, nicht durch die Leistungskraft der Pumpen, sondern durch das Absinken des Grundwasserspiegels, nicht durch die Anzahl der Kettensägen, sondern das Verschwinden der Wälder. Die Antwort im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit den Naturressourcen ist, zügig die industrialisierte Wirtschaft, die mit der Natur verschwenderisch und mit Menschen nicht immer sinnvoll umgeht, hinter sich zu lassen und eine sich erneuernde Wirtschaft aufzubauen, die klug mit der Natur und den Menschen umgeht. Wenn ein Wirtschaftssystem dem Verbrauch von klarem Wasser, sauberer Luft, Urwäldern, Erzadern und der Verbrennung von Kohlenstoff – also einem verschwenderischem Verbrauch von Naturressourcen – gegensteuert und auf erneuerbare Ressourcen (z.B. nachwachsende Rohstoffe, Quellen) setzt –, werden sich dezentralisierte, kleinere Produktionsstrukturen entwickeln, die langfristig auch mehr Arbeitsplätze schaffen.

 

 

Ö – wie Öko-Audit

 

Der Öko-Audit hat zum Ziel: mehr Klarheit und offene Informationen über die Umweltauswirkungen eines Betriebes nach innen und außen sowie eine kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. In der EG-Öko-Audit-Verord­nung EMAS (Environmental Management and Audit Scheme) kommt ein weiteres Ziel hinzu: Aufbau eines Umweltmanagementsystems sowie systematische, objektive, dokumentierte und regelmäßige Bewertung des Umweltmanagementsystems und der Umweltleistungen.

 

EMAS wurde in Deutschland zunächst in Gewerbebetrieben freiwillig angewendet und darüber hinaus in Modellprojekten in Kommunen und Kirchen. In EMAS sind folgende Schritte des Öko-Audits vorgegeben:

  1. Die Formulierung einer Umweltpolitik, d.h. eine Art freiwilliger Selbstverpflichtung auf Umweltleitlinien in Form von Gesamtzielen und Handlungsgrundsätzen.
      
  2. Eine umfassende Bestandserhebung des Ist-Zustands in Form der ersten Umweltprüfung.
     
  3. Basierend auf den Ergebnissen der Umweltprüfung erfolgt die Erarbeitung eines Umweltprogramms mit Vorgabe von Zielen, Maßnahmen, Methoden zur Zielerreichung sowie der Nennung von Aufwand und Verantwortlichen.
     
  4. Parallel dazu werden die personellen und organisatorischen Voraussetzungen eingeführt, um die Umweltziele zu erreichen und alle Umweltvorschriften einzuhalten. Sie werden in einem Umweltmanagementsystem (UMS) zusammengefasst.
      
  5. Die Umweltbetriebsprüfung muss spätestens alle drei Jahre wiederholt werden. Sie prüft, ob und wie die Vorgaben des Umweltprogramms eingehalten wurden und führt zu einer Fortschreibung der Umweltziele und des Umweltprogramms.
      
  6. In der Umwelterklärung werden die Umweltauswirkungen des Betriebs, sein Umweltprogramm und das Umweltmanagementsystem der Öffentlichkeit vorgestellt. 
      

Ö – wie Ökobilanz

 

Die Ökobilanz ist ein Hilfsmittel zur ökologischen Bewertung der durch ein Produkt, einen Prozess oder ein Unternehmen verursachten Umweltbelastungen. Die Ökobilanz benutzt bestimmte Parameter (kennzeichnende Messgrößen) zur Erfassung der Umweltbelastungen und ermöglicht je nach Art eine anschließende Bewertung oder schließt sie bereits ein (siehe auch CO2-Bilanz).

 

 

Ö – wie Ökokonto

 

Das Ökokonto ist ein Instrument zur nachhaltigen Gemeindenentwicklung. Es ist als Regelung im Baugesetzbuch verankert, mit dem Ziel einer vorausschauenden Sicherung von Kompensationsmaßnahmen bei Eingriffen in Natur und Landschaft. Mit Hilfe des Ökokontos wird es möglich, Ausgleichsmaßnahmen bereits im Vorfeld künftiger Eingriffe umzusetzen (Haben) und damit später folgende Eingriffe zu verrechnen (Soll). Neben dieser zeitlichen wird auch eine räumliche Entkoppelung möglich, so dass Maßnahmen auch unabhängig vom Eingriffsort realisiert werden können. Zudem ist es möglich, Maßnahmen zu bündeln, um so eine größere ökologische Wirksamkeit zu erzielen.

 

 

P – wie Partizipation

 

siehe Bürgerbeteiligung

 

 

Q – wie Qualitätszeichen

 

Qualitätszeichen wie Blauer Engel, Bio-Siegel, ebenso regionale Qualitätszeichen (z.B. Biozeichen Baden-Württemberg) fördern sowohl die Anliegen des Umwelt- als auch des Verbraucherschutzes. Sie garantieren die ökologisch bessere Produktalternative nach definierten Kriterien – und mit ihm kaufen und demonstrieren die Verbraucher ihr „Recht auf Umwelt“. Fair-Trade-Siegel (z.B. Trans­Fair, BanaFair, gepa) werden für fair gehandelte Waren (z.B. Kaffee, Kakao, Tee, Fruchtsäfte, Bananen) vergeben. Durch einen Aufpreis erhalten die kleinbäuerlichen Erzeuger in sog. Drittweltländern einen Mindestabnahmepreis, da der Welt­marktpreis durch Spekulation und Freihandel zumeist unter den Erzeugerkosten liegt. Zudem sind viele der fair gehandelten Produkte ökologisch besser, weil z.B. ohne Pestizide erzeugt. (siehe auch Handel)

 

Das Flower-Label-Programm vergibt ein Sozial- und Ökosiegel auf Blumen (Blumen aus menschen- und umweltschonender Produktion): es zahlt seinen Produzenten gesetzliche Mindestlöhne, erlaubt Gewerkschaften, garantiert Gesundheitsschutz etc.

 

Mit dem Blauen Engel werden Produkte ausgezeichnet die in ihrer ganzheitlichen Betrachtung besonders umweltfreundlich sind und zugleich hohe Ansprüche an den Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. Sparsamer Einsatz von Rohstoffen, Herstellung, Gebrauch, Lebensdauer und Entsorgung – alle Aspekte haben eine hohe Bedeutung. Ausgezeichnet wurden z.B. Mehrwegflaschen, Recyclingpapiere, schadstoffarme Lacke, emissionsarme und recyclinggerechte Drucker.

 

 

R – wie Ressourcenschonung

 

Wirtschaftliches Wachstum wird heute noch immer wesentlich durch eine Steigerung der produzierten Waren erreicht. Trotz steigender Effizienz des Ressourcenverbrauchs (v.a. von nicht nachwachsenden Rohstoffen) wachsen die Stoffströme weltweit nach wie vor stark. Zur Ressourcenschonung muss „Klasse statt Masse“ Wertschöpfungskriterium für wirtschaftliches Wachstum werden. In einer nachhaltigen Wirtschaft müssen nachwachsende Rohstoffe (z. B. Raps, Holz, Stroh, Kork)  verstärkt zum Einsatz kommen. Langlebigkeit  und Reparaturfreundlichkeit müssen im Produktionsprozess im Vordergrund stehen.

 

 

S – wie „Stadt der Zukunft“

 

Stadt als Lebensraum und als Organisationsform gesellschaftlichen Lebens und Handelns hat im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung einen hohen Stellenwert. Städte sind Zentren der Industrie, des Handwerks und des Handels, der Bildung, der Kultur und der Verwaltung.

 

Die Stadt mit einer nachhaltigen (zukunftsfähigen und auf Dauer tragfähigen) Stadtentwicklung wird eine „Stadt der kurzen Wege“ werden. Die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Freizeit werden, wo immer möglich, zusammengeführt. Der Autoverkehr ist in einer Stadt der Zukunft auf das notwendige Maß reduziert; Straßen werden so wieder zu Aufenthaltsorten. Die breite Zersiedlung der Landschaft ist gestoppt, da Raumordnung und Bodennutzung sich konsequent am Bodenschutz orientieren. Durch die Innenverdichtung entstehen langsam wieder Stadtgrenzen zwischen ländlichen und städtischen Gebieten.

 

 

T – wie Treibhauseffekt

 

Unser Klima ist das Ergebnis eines hoch komplizierten Prozesses, in dem die Energie der Sonne die Hauptrolle spielt. Wie in einem verglasten Treibhaus lässt die Erdatmosphäre das sichtbare Sonnenlicht herein, die langwellige Wärmestrahlung, die durch Umwandlung des Lichts an der Erdoberfläche entsteht, aber nur zum Teil wieder hinaus in den Weltraum. Wenn Sonnenein- und Wärmeabstrahlung in einem für uns lebensnotwendigen Gleichgewicht stehen, hält sich eine Durchschnittstemperatur von ca. 15° C. Je mehr die Atmosphäre durch vom Menschen verursachte "Treibhausgase" (Kohlendioxid – CO2, Methan, FCKW) belastet ist, umso weniger Wärmestrahlung kann die Erde verlassen, umso mehr erwärmt sich das Klima.

 

In den nächsten 100 Jahren wird nach Klimastudien (z.B. des „Intergovernmental Panel on Climate“ –IPCC) die Oberflächentemperatur der Erde um bis zu 5,8° C zunehmen und der Meeresspiegel ansteigen, wenn wir unsere Lebensgewohnheiten nicht ändern.

 

Wir Menschen in den Industrieländern verursachen pro Kopf zehnmal so viele Treibhausgase wie arme Länder. Allerdings holen Schwellenländer wie China und Indien aufgrund ihres Wirtschaftwachstums gewaltig auf. Die Lösung des Problems kann nur in einem sparsameren und damit intelligenteren Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen (Rohstoffe, Geldmittel) liegen.

 

Mit jeder Kilowattstunde gespartem Strom aus fossilen Brennstoffen werden 0,69 kg und mit jedem Liter eingespartem Heizöl werden 2,6 kg weniger Kohlendioxid – dem Hauptverursacher des Treibhauseffektes – in die Luft gepustet.

 

 

U – wie Umwelt-Controlling

 

Umweltcontrolling umfasst sowohl Lenkung und Überwachung von betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen wie auch ihres Fortschritts. Weiterhin dient das Umwelt-Controlling der betriebsinternen und ggf. externen Information.

 

 

U – wie Umweltmanagement

 

Das Umweltmanagementsystem ist in der EU-Umwelt-Audit-Verordnung als "Teil des gesamtübergreifenden Managementsystems" anzusehen. Das Umweltmanagementsystem schafft die organisatorischen Voraussetzungen für die Umsetzung aller Elemente der EU-Verordnung. Es umfasst die Organisationsstruktur, Zuständigkeiten, Verhaltensweisen, förmliche Verfahren, Abläufe und Mittel für die Festlegung und Durchführung der Umweltpolitik. (siehe auch Öko-Audit)

 

 

U – wie Umweltschäden

 

Die Weltbevölkerung verbraucht mehr natürliche Ressourcen (Rohstoffe) als die Natur regenerieren kann. Das Entwicklungsmodell des Nordens ist also historisch überholt. Dieses Modell der Moderne und der Industriegesellschaft war Wachstum ohne – oder fast immer ohne – Einbeziehung des Prinzips Nachhaltigkeit. Jetzt in der postindustriellen (auch Informations- oder Wissens-) Gesellschaft, weiß man, dass wir an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind und dass ökologisches Wirtschaften die Maxime sein muss.

 

Die Konzentration der Treibhausgase hat tolerierbare Werte weit überschritten, ein Drittel des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens ist weltweit erodiert, auch ein Drittel der Tropenwälder, ein Viertel des verfügbaren Frischwassers, ein Viertel der Fischbestände sind verschwunden, ganz zu schweigen vom Verlust an Pflanzen und Tieren. Indem natürliche Systeme in großem Maßstab als Rohstoffquellen (Wasser, Holz, Erdöl, Mineralien usw.), als Standorte (Land für Bergwerke, Siedlungen, Verkehrinfrastruktur) und als Senken (Boden, Ozeane, Atmosphäre) für wirtschaftliche Entwicklung dienen, werden sie in ihrer Funktionsfähigkeit gestört oder gar geopfert.

 

Ein großer Teil der Umweltschäden weltweit hängt mit dem übermäßigen Verbrauch von fossilen Brennstoffen – Kohle, Erdöl, Erdgas – zusammen, deren Kohlendioxidausstoß eine riesige Oberfläche als natürliches Auffangbecken (z.B. Wälder) erfordert. Eine weitere Beschlagnahme des globalen Umweltraums durch die Wohlhabenden wie bisher, würde statt eines Planeten fünf erfordern.

 

 

U – wie Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)

 

Die Umweltverträglichkeitsprüfung umfasst die Ermittlung, Beschreibung und Bewertung der Auswirkungen eines Vorhabens auf Menschen, Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft. Die dazu notwendigen Informationen werden in Umweltverträglichkeitsstudien (UVS) zusammengestellt. Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist dabei kein selbstständiges Verfahren, sondern immer eingebettet in jenes verwaltungsbehördliche Ver­fahren, in dem über die Zulässigkeit eines Vorhabens (etwa einer Straße, einer industriellen Anlage, eines Flurbereinigungsprojekts) entschieden wird.

 

 

V – wie Verantwortung

 

Am 14. April 1999 gab der Gemeinderat mit seinem einstimmig gefassten Grundsatzbeschluss auf der Grundlage von Kapitel 28 des auf dem Erdgipfel in Rio 1992 beschlossenen Aktionsplans „Agenda 21“ grünes Licht für den Eintritt der Stadt Gerlingen in den Prozess der „Lokalen Agenda 21“ (was vor Ort im 21. Jahrhundert zu tun ist) und bekannte sich damit zur Verantwortung für eine nachhaltige, d.h. zukunftsfähige Entwicklung der Stadt. Gemeinderat und die Stadtverwaltung wurden mit dem Beschluss die kommunalen Verantwortungsträger, welche nach Kapitel 28 unter Beteiligung von Bürger und Bürgerinnen sowie gesellschaftlich relevanten örtlichen Gruppen und Organisationen den Prozess der Lokalen Agenda durchführen sollen.

 

Durch die verantwortungsvolle Mitwirkung der Bürgerschaft soll der Prozess auf mehrere „Träger“ verteilt werden. Auf diese Weise könnten auch Verhaltensänderungen im Sinne der Agenda 21 im Lebensumfeld der Bürger/-innen erreicht werden. Die Umsetzung von Maßnahmen durch Verwaltung und Gemeinderat bliebe letztlich unberührt.

 

 

V – wie Verursacherprinzip

 

Wer Schäden verursacht, ist für diese verantwortlich. Die Durchsetzung dieses Prinzips ist ein entscheidender Bestandteil effektiven Umweltschutzes. Wenn Schäden nicht mehr auf die Allgemeinheit abgewälzt werden können, steigt der Anreiz, Umweltbelastungen frühzeitig zu vermeiden. Das Verursacherprinzip, konsequent angewendet, sorgt für Kreativität und Innovationen. Umweltschonende und zugleich kostengünstige Techniken und Verfahren werden entwickelt und auch angewendet.

 

 

V – wie Vorsorgeprinzip

 

Risiken analysieren und daraus vorsorgliches Handeln ableiten – das versteht man unter vorsorgeorientierter Umweltpolitik. Das Vorsorgeprinzip führt etwa im Bereich des Beschaffungswesens dazu, schon bei der Entscheidung über die Anschaffung an die spätere Entsorgung zu denken, oder bei der Planung eines Gewerbegebiets, die in der Folge entstehenden Verkehrsbelastungen rechtzeitig zu berücksichtigen.

Ein konsequent durchgeführter Vorsorgegrundsatz bedarf einer Planung, die ganzheitlich denkt und die den Umweltschutz zum integrierten Bestandteil von Wirtschaften, Planen und Leben macht.

 

 

W – wie Weg

 

Nicht der Weg einer Lokalen Agenda 21 ist das Ziel, sondern Weg und Ziel müssen immer wieder aufeinander abgestimmt werden Dafür ist eine klare, nachvollziehbare Vorgehensweise in handhabbaren Schritten erforderlich. Diese müssen flexibel genug sein, um sich auf die Unwägbarkeiten auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadt/Gemeinde einzustellen.

 

 

W – wie WTO und Wirtschaftsweise

 

Die WTO (World Trade Organisation = Welthandelsorganisation) ist 1995 aus dem GATT (General Agreement on Tarifs and Trade = Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) hervorgegangen mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Werte wie Wettbewerb (Währungsstabilität) und offene Märkte weltweit zu fördern und zu überwachen. Die treibenden Kräfte in der WTO sind die Industriestaaten des Nordens (u.a. USA, EU). Diese streben die Ökonomisierung praktisch aller Bereiche des menschlichen Lebens an (z.B. über Lebensgrundlagen wie Wasser, Bildung, Ernährung einschließlich genmanipulierte Nahrungsmittel). Die WTO hat über Streitfälle im Bereich des internationalen Handels zu richten. Der Wandel zugunsten der wirtschaftlichen Werte ist ein Ergebnis wirtschaftsliberaler Globalisierungstendenzen; das bedeutet, dass die an „Menschenrechten“ bzw. sozialem Ausgleich orientierte „Globalisierung“ der Vereinten Nationen (UNO) in den Hintergrund getreten ist.

 

Wenn die Ergebnisse der beiden UNO-Weltkonferenzen, der Erdgipfel von Rio 1992 und der Nachfolgegipfel von Johannesburg 2003, mit der Forderung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise umgesetzt werden sollen, muss die WTO so organisiert werden, dass sie für einen Handel sorgt, der nicht gegen nachhaltige Produktion und faire Existenzrechte, insbesondere der Menschen in den armen Ländern, verstößt.

 

 

Z– wie Zukunftsfähigkeit

Zukunftsfähigkeit ist ein genauerer Begriff für Nachhaltigkeit, der mittlerweile sehr beliebig verwendet wird. Beide Begriffe sollen das englische Wort „sustainability“ aus der „Agenda 21“, dem Aktionsplan des Erdgipfels von Rio im Jahr 1992, verdeutlichen.

Mit dem Etikett Zukunftsfähigkeit werden Handlungen und Entwicklungen versehen, wenn sie nachhaltig, also zukunftsfähig und auf Dauer tragfähig sind, wenn sie „den gegenwärtigen Bedarf zu decken vermögen, ohne dabei zu riskieren, dass spätere Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können“ (siehe Nachhaltigkeit).

 

Verwendete Literatur und Links:

 

Handbuch lokale Agenda 21 - Wege zur nachhaltigen Entwicklung in den Kommunen, Juni 1998; Herausgeber: Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt

 

Zukunftsfähiges Deutschland, Okt. 1995; Studie des Wuppertals Instituts im Auftrag von MISEREOR und BUND

Lokale Agenda 21 und nachhaltige Entwicklung in deutschen Kommunen – 10 Jahre nach Rio: Bilanz und Perspektiven, Dez. 2002; Herausgeber: Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt

 

Das Jo`burg-Memo – Memorandum zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung, Juni 2002; Sonderausgabe der Reihe „World Summit Papers“ der Heinrich-Böll-Stiftung

 

Rio+10 – Dokumentation des Agendagipfels Baden-Württemberg am 29.6.2002; Agendabüro des Landes und Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg

 

Übertragung des Öko-Audits auf Kommunen und Verwaltungen, Arbeitsmaterialie 1, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Agenda-Büro

www.nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de/2000/Definitionen.htm

 

www.fh-hoexter.de/fachbereiche/fb8/fachgebiete/chemie/umwelt/glossar/

 

http://vugis.uni-muenster.de/Glossar.htm

 

www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/umweltqualitaetsziele/definitionen.html

 

http://de.wikipedia.org/

 

http://volkszustandsbericht.blogspot.com/

 

www.bayern.de/lfu/luft/co2_rechner

 

www.gruener-gockel.de

 

www.klimabuendnis.org

 

Agenda-21-Dokument in deutscher Übersetzung, Rio 1992:
http://nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de/artikel/agenda_21_-_dokumente_985.htm


 


Impressum:

Herausgegeben von der

Lokalen Agenda Gerlingen, Arbeitskreis Energie

verfasst / zusammengestellt von Ilse Majer-Wehling und Rolf Stiefel

3. erweiterteund aktualisierte Auflage, Februar 2007

Teile dieses Lexikons wurden im Gerlinger Anzeiger im Herbst 2003 in mehreren Folgen veröffentlicht.
Die erste Auflage als Broschüre erschien im November 2003. 

Als Broschüre ist das Kleine Nachhaltigkeits-Lexikon beim Agenda-Büro der Stadt Gerlingen erhältlich.

Änderungsdatum 17.05.2007 18:34
Seite drucken
Seite verschicken
zurück nach oben