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Modernisieren und renovieren mit Köpfchen 

(Bericht aus dem Gerlinger Anzeiger vom November 2003)

Zu diesem Thema lud der Arbeitskreis Energie die Lokale Agenda in  Zusammenarbeit mit dem Haus- Wohnungs- und Grundeigentümerverein und der Volkshochschule und am 8.11.2003 zu einer sehr gut besuchten Veranstaltung ins VHS-Gebäude ein.

In seinem engagierten Grußwort wies Herr Bürgermeister Brenner u.a. auf die Notwendigkeit hin, aus Gründen des Klimaschutzes mit Energie verantwortlich und damit auch sparsam umzugehen. Modernisierungsmaßnahmen im Gebäudebestand seien zudem ein wichtiger wirtschaftlicher Impuls für die klein- und mittelständische Industrie und insbesondere auch für die örtlichen Handwerker. Nicht zu unterschätzen sei auch der städtebauliche Aspekt. „Wir brauchten weniger Neubaugebiete, wenn die bestehenden Gebäude in gutem Zustand sind“. Altbaumodernisierung sei also ein aktiver Beitrag gegen die Zersiedelung der Landschaft.

Den Hauptvortrag begann der Bauphysiker  Dr. Thomas Dippel mit einer Bestandsaufnahme: in Baden Württemberg sind von allen Gebäuden etwa 80% vor 1980 und damit vor den Wärmeschutzverordnungen erstellt worden; 1/3 des gesamten Energiebedarfs geht in die Gebäudeheizung; der Wohnflächenbedarf je Person hat gegenüber früher eine doppelte Explosion mitgemacht, zum einen durch höhere Ansprüche des Einzelnen, zum andern durch die Zunahme von Single-Haushalten. Deshalb sind Energiesparmaßnahmen im wahrsten Sinn des Wortes notwendig (Not wendend).

Wichtige Aspekte im Einzelnen:

Vom 9-Liter-Auto zum 3-Liter-Auto - und bei einem Gebäude?
Auch bei einem älteren Gebäude ist es wie beim Auto möglich, den Energiebedarf auf ein Drittel zu reduzieren, und zwar mit den heute üblichen technischen Möglichkeiten und zu heute üblichen Preisen.

Vorteile von Maßnahmen zur Energieeinsparung
   - Steigerung des Komforts: es gibt z.B. keine schlecht gedämmten Außenwände
     mehr, die auch innen an der Oberfläche kalt sind und durch Abstrahlung dieser
     Kälte einen Raum unbehaglich machen. Schimmelbildung wird vorgebeugt.
   - Werterhaltung
   - Laufende Kosten werden reduziert.

Wichtig, aber oft missachtet: eine gute Planung
Eine gute Planung berücksichtigt den Gesamtzusammenhang und verzettelt sich nicht in isolierten  Einzelmaßnahmen. Sie hilft, unnötige Kosten zu vermeiden. Sie sucht nach der größten Schwachstelle und fängt dort mit Maßnahmen an, wenn aus finanziellen Gründen nicht alles auf einmal gemacht werden kann. Sie berücksichtigt dabei die späteren Maßnahmen. Gute Planer zu finden ist manchmal schwer, aber möglich. Vor allem muss auch der Bauherr selbst von einem systematischen Vorgehen überzeugt sein. Nach der Methode „Geiz ist geil“ wird man kaum eine sinnvolle Modernisierung erreichen.

Fenster
Heutige gute Fenster lassen etwa nur ein Drittel der Wärme durch, verglichen mit alten Fenstern. Beim Einbau von neuen Fenstern ist  ganz entscheidend, wie sie eingebaut werden, um Fehlstellen oder Kältebrücken an den Übergängen zu vermeiden.

Lüften und Schimmelbildung
Man müsse nur richtig lüften, dann könne man den Schimmel vermeiden, ist eine gängige, aber in vielen Fällen falsche Meinung. Von den Erkenntnissen der Bauphysik her kommt es zu Schimmelbildung, wenn die Temperatur an einer Oberfläche auf 14° C oder weniger absinkt. Und genau diese Situation kommt bei älteren (und manchmal auch bei jüngeren) Gebäuden öfter vor, selbst wenn richtig gelüftet wird. Auch wenn die Luftfeuchte im Raum zu hoch ist (80%), kann es zu Schimmelbildung kommen. Erhöhte Luftfeuchte entsteht z.B. beim Duschen, Baden, Kochen oder Wäschetrocknen im Raum.

Richtiges Lüften
Lüften hat folgende Aufgabe: es soll Kohlendioxid und erhöhte Luftfeuchte abführen, der Nachschub von Sauerstoff spielt eine geringere Rolle. Beim Lüften von Hand ist im Winter die Stoßlüftung sinnvoll: kurz und kräftig – alle 2 Stunden für 2 bis 5 Minuten. Bei zu langem Lüften kühlen die Oberflächen zu sehr aus und die Raumluft wird zu trocken.

Technische Details, Beispiele
In seinem Vortrag erläuterte Herr Dippel auch Begriffe wie Dampfbremse, Kältebrücken, Leckagen, mangelnde Luftdichtigkeit und Überprüfung der Luftdichtigkeit mit einem Blower-Door-Test oder Innendämmung an Sichtfachwerkaußenwänden. Näheres dazu geht aber über den Rahmen dieses Artikels hinaus.

In der abschließenden Diskussions- und Fragerunde brachten Gerlinger Fachleute aus ihrem Erfahrungsbereich wichtige  Gedanken oder Aspekte ein. Es wirkten neben Herrn Dippel mit:

   Sonja Skuin-Dinic (Architektur)
   Jo Bea (Heizung, Solaranlagen)
    Rainer Dechent (Rechtsfragen)
    Heinz Peter Matheis (Architektur, Fördergelder, Wirtschaftlichkeit, Energieberatung)
    Martin Nufer (Fassadendämmung)
    Uli Schober (Statik, Baukonstruktion)

Neben fachlichen Fragen wurde auch deutlich, dass das Mietrecht sich z.T. hemmend auf sinnvolle, z.B. energiesparende Modernisierungsmaßnahmen auswirkt.

Text: Uli Schober, Rolf Stiefel
Bild: Mit freundlicher Erlaubnis des Landesgewerbeamts Stuttgart
 

date modified 24-10-2007 10:02
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