Strasseninfo

Infotafeln an Straßenschildern

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden in vielen Gemeinden Straßen nach NS-Größen benannt. In Gerlingen erfolgten entsprechende Benennungen erst 1937. Auffallend ist, dass in Gerlingen keine Straße nach Hitler, Hindenburg oder dem württembergischen Reichsstatthalter und Gauleiter Murr benannt wurde. Auch wurde keine bedeutende Straße, wie die Hauptstraße oder die Kirchstraße, nach NS-Größen benannt. Der damalige Bürgermeister entschied, Straßen in der heutigen Siedlung, die damals noch nicht bebaut war, nach Nationalsozialisten zu benennen.

Im Gebiet Hasenberg erfolgten Straßenbenennungen nach Soldaten des 1. Weltkriegs. Da auch in anderen Gemeinden Straßen nach Boelcke, Immelmann, Richthofen und Weddigen benannt wurden, ist davon auszugehen, dass es eine Anweisung der NSDAP gab, solche Benennungen vorzunehmen. Neben NS-Größen sollten Straßen auch nach Personen benannt werden, die von der NS-Ideologie unbelastet waren, da sie ja schon im 1. Weltkrieg zu Tode kamen. Man wählte bei der Bevölkerung geschätzte populäre Soldaten des 1. Weltkriegs, die verstorben waren und sich dazu nicht mehr äußern konnten. Diese Kriegsopfer wurden von den Nationalsozialisten als Kriegshelden instrumentalisiert und missbraucht. Der Bevölkerung sollte damit ein positiver Eindruck von Soldaten, Krieg und nationalsozialistischer Ideologie vermittelt werden.

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden die nach Nationalsozialisten benannten Straßen in der Siedlung umbenannt und erhielten Namen von Dichtern. Die französische und später die amerikanische Militärregierung verlangte jedoch nicht die Umbenennung der nach Soldaten des 1. Weltkriegs benannten Straßen.  Man muss dabei berücksichtigen, dass der Beruf eines Soldaten bei Freund und Feind geachtet war. Oswald Boelcke erhielt als einziger Jagdflieger vom damals als „Feind“ bezeichneten französischen Staat während des 1. Weltkrieges die Lebensrettungsmedaille, da er einen jungen Franzosen aus einem Kanal vor dem Tode rettete. Beim Tod von Oswald Boelcke haben englische Flieger über dem Grab einen Kranz abgeworfen mit beigefügten Worten „Zur Erinnerung an Hauptmann Boelcke, unseren tapferen und ritterlichen Gegner. Das königlich englische Fliegercorps“. Der Sarg von Richthofen wurde bei der Beisetzung von 6 Offizieren der gegnerischen britischen Armee getragen. Auf einem der Kränze stand „dem tapferen und würdigen Gegner“. Bei der Beisetzung von Max Immelmann wurde von einem englischen Flugzeug ebenfalls ein Kranz abgeworfen. Dieses Bild des Soldaten hat durch die Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg eine Wandlung erfahren, indem Millionen junger Menschen für ihre Ideologie vereinnahmt und dadurch missbraucht wurden.

Die nach den 4 Soldaten benannten Straßen spiegeln die in früherer Zeit herrschenden politischen gesellschaftlichen Verhältnisse wider: In der Zeit des 1. Weltkriegs und auch danach war das eine andere Sichtweise auf den Soldatenberuf als heute und in der Zeit des Nationalsozialismus wurden längst verstorbene Menschen für die Ideologie instrumentalisiert.

Weiteres zum Leben der vier Soldaten kann in Nachschlagewerken nachgelesen werden.

Kontakt

Stadt Gerlingen
Stadt Gerlingen
Rathausplatz 1
70839 Gerlingen
Telefon (0 71 56) 2 05-0
Fax (0 71 56) 2 05-50 00