Friedrich Schiller

Friedrich Schiller als Ideenhäuslesbauer

Verena Seele, Merz Akademie Stuttgart

Gerlingen: Heimat der Familie Schiller

Selber schaffen!

Johann Christoph Friedrich Schiller, geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar, war unverkennbar und hörbar Schwabe. Was er als 18-Jähriger einem Freund ins Stammbuch schreibt, reimt sich nur auf Schwäbisch: »Auf ewig bleibt mit dir vereint / der Arzt, der Dichter, und dein Freund.«

Drei Jahre später, im Alter von 21 Jahren, verlässt Schiller Württemberg und flieht bei Nacht von Stuttgart nach Mannheim, wo sein Drama »Die Räuber« einen unglaublichen Publikumserfolg gefeiert hat: »Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht.«
Schiller, aus armen Verhältnissen, erzogen an der herzoglichen Militärakademie und studierter Arzt, widmet sich von da an ganz dem Schreiben und versucht, was zu jener Zeit noch unüblich war, ausschließlich davon zu leben. Immer wieder rechnet er, was er wann in welcher Zeit geschrieben haben muss, um sich und seine Familie ernähren zu können. »Der Wallenstein«, »Maria Stuart«, »Die Jungfrau von Orleans« und »Wilhelm Tell« sind ebenso wie Schillers Zeitschriftenprojekte auch dem Geldverdienenmüssen geschuldet: »Ich habe wenig Freuden des Lebens genossen, aber (das ist das stolzeste, was ich über mich aussprechen kann) diese wenigen habe ich meinem Herzen zu danken«, erklärt er 1784, es »zwingt ja das deutsche Publikum seine Schriftsteller, nicht nach dem Zuge des Genius, sondern nach Spekulationen des Handels zu wählen.«

Dem eigenen Herzen zu verdanken, aus eigenem Willen heraus und in absoluter Freiheit. Der Armut, den Umständen und dem oft kranken Körper zum Trotz, denn, so gesteht der 30-Jährige einer Freundin, »an meinem Wesen haben Schicksale sehr gewaltsam gezerrt. Durch eine traurige und̈ strenge Jugend schritt ich ins Leben hinein, und eine herz- und geistlose Erziehung hemmte bei mir die leichte schöne Bewegung der ersten werdenden Gefühle. Den Schaden, den dieser unselige Anfang des Lebens in mir angerichtet hat, fühle ich noch heute.«
Für Schiller ist das unbedingte Hören auf sich selbst ein Lebensmotiv und die Literatur und Kunst ein Mittel dazu, diese Freiheit zu üben und auszuüben. »Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein, seinen ganzen Begriff zu erfüllen«, deutet er 1793 die Aufgabe der »ästhetischen Erziehung des Menschen«. Die Kultur »soll ihn fähig machen, seinen Willen zu behaupten, denn der Mensch ist das Wesen, welches will.«
Noch einen Monat vor seinem frühen Tod – Schiller stirbt am 8. Mai 1805 mit 46 Jahren in Weimar – behauptet Schiller die Macht der Ideen und des freien eigenen Willens. »Am Ende sind wir ja beide Idealisten«, schreibt er dem befreundeten Naturforscher Alexander von Humboldt, »und würden uns schämen, uns nachsagen zu lassen, dass die Dinge uns formten und nicht wir die Dinge.«
 
Von Heike Gfrereis – Sie ist Leiterin der Museumsabteilung im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Seit Sommer 2013 hat sie eine Honorarprofessur an der Universität Stuttgart inne.

Frau Andrea Löhle
Öffentlichkeits - und Pressearbeit
Telefon (0 71 56) 2 05-81 02
Fax (0 71 56) 2 05-51 04
Raum: 102
Aufgaben: Öffentlichkeits - und Pressearbeit; Städtepartnerschaften; Kultur

Gerlinger Persönlichkeiten

Robert Bosch
Friedrich Schiller