Robert-Bosch

Andra Becker, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Prinzipien und Inspiration eines Unternehmers

Robert Bosch gehört nicht zu den »Erfindern und Tüftlern«, von denen gerade die Schwaben ja besonders viele hervorgebracht haben. Er selbst sagte 1931 als 70-jähriger im Rückblick: »Man kann mir nachsagen, ich sei gar kein Erfinder, und ich mache auch gar keinen Anspruch auf diesen Titel.« Bosch sah sich selbst vielmehr als Unternehmer, der seine Firma als Ganzes im Blick hat und weniger die einzelnen technischen Neuerungen, wenngleich es immer ein besonderes Interesse in ihm weckte, wenn ihm die kreativen Köpfe im Unternehmen eine Neuerung präsentierten:

Schließlich garantierten Innovationen dem Unternehmen Bosch seit jeher den fortwährenden Erfolg.

Robert Bosch machte sich früh selbstständig. Als er mit 25 Jahren im November 1886 seine »Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik eröffnete«, hatte er nach einer eher enttäuschenden Ausbildung reichhaltig Erfahrung in der Arbeitswelt gesammelt: Er arbeitete bei Edison in den USA, in England, erweiterte seine Theoriekenntnisse  als Gaststudent am Stuttgarter Polytechnikum und lernte im Kölner Installationsgeschäft seines älteren Bruders Karl die Buchhaltung. Er wollte also selbstständig werden, beabsichtigte aber, seine Firma erst dann zu eröffnen, wenn er  alles konnte, was er als Unternehmer an Kenntnissen und Erfahrungen brauchte.
Robert Boschs unternehmerische Aktivität stand auf vier Eckpfeilern, die nach einem ersten schweren Jahrzehnt den Erfolg der kleinen Firma auf den Weg brachten und absicherten: strenges Achten auf Qualität der Produkte und Serviceleistungen, faire Geschäftspolitik gegenüber den Kunden, Auswahl der richtigen Fachleute und Übertragung von Verantwortung auf sie, und schließlich die Behandlung der Mitarbeiter auf Augenhöhe.
Robert Bosch handelte also nach Prinzipien, die man heute unter dem Begriff des »fairen Unternehmertums« subsummieren könnte. Das allein hätte für den rasanten Aufstieg des Unternehmens nicht gereicht, schuf aber die Voraussetzungen dafür.
Sein sicheres Gespür für gute Leute, verbunden mit der Fähigkeit, seinen Entwicklern Verantwortung und damit auch Freiheiten zu lassen, setzte Kräfte frei, auf denen nicht nur Ideen wachsen konnten, sondern vor allem die Umsetzung dieser Ideen in attraktive neue und in die Zeit passende Produkte. Und deren Erfolg überließ Bosch auch nicht dem Zufall. Er befasste sich intensiv mit Methoden zur Massenfertigung, damit die modernen Produkte auch bezahlbar und damit für große Kundenkreise erschwinglich waren.
Robert Boschs Prinzipien entstanden nicht im luftleeren Raum. Er wuchs als Kind liberaler und aus heutiger Sicht demokratisch gesonnener Eltern auf und bekam humanistische Grundwerte mit auf den Weg. Diese Prägung war eine wichtige Quelle für die Inspiration des Unternehmers Bosch, der nicht auf den kurzfristigen Gewinn aus war, sondern der langfristiges Wachstum im Blick hatte, verbunden mit dem Interesse, als Arbeitgeber auch positive gesellschaftliche Effekte zu erzeugen: durch Beschäftigung vieler Mitarbeiter und deren faire Bezahlung, durch Betriebsrente und Hinterbliebenenfürsorge, durch Förderung Begabter, aber auch außerhalb des Unternehmens, zum Beispiel durch die Stiftung eines wissenschaftlichen Lehrstuhls oder die Stiftung des heute noch bestehenden Robert-Bosch-Krankenhauses.
Außerdem sorgte seine Prägung für politische Ansichten, die nicht immer ungefährlich waren: Mitten in der Zeit des Nazi-Regimes, als Bosch zu einem Teil der Rüstungsindustrie wurde, setzte der Unternehmensgründer sich für Völkerverständigung und Freihandel ein, und er ließ seinen Nachfolgern freie Hand darin, Oppositionelle zu unterstützen und Verfolgte des Regimes zu schützen.
 
Von Dietrich Kuhlgatz Historiker und stellvertretender Leiter der Abteilung Historische Kommunikation bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart

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